Neues für die engagierte Stadt

Engagierte Bürger parken kostenlos

Flensburg hat als erste Engagierte Stadt in Deutschland überhaupt eine neue Form der Anerkennung für Bürgersinn durchgesetzt: Engagierte Bürger dürfen mit Ausnahmegenehmigung kostenlos parken. Andreas Geis, Programmleiter Demografischer Wandel in der Körber-Stiftung, sprach mit Initiatorin Svenja Mix, Leiterin der Koordinierungsstelle für Bürgerschaftliches Engagement der Stadt Flensburg.

Geis: Frau Mix, in Flensburg parken Engagierte kostenlos – was steckt hinter dieser Idee?

MixMix: Mit dem strategischen Ziel »Flensburg will dein Engagement – und macht es möglich« hat sich die kommunale Selbstverwaltung Engagementförderung auf die Fahnen geschrieben. Außerdem sind wir gemeinsam mit der SBV-Stiftung Helmut Schumann »Engagierte Stadt« und haben es uns unter dem Motto »engagiert in Flensburg« zur Aufgabe gemacht, gemeinsam mit Akteuren aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung Strukturen für das Ehrenamt zu verbessern. Und dann haben wir uns umgehört, was das Ehrenamt überhaupt braucht. Dabei haben wir festgestellt, dass es Ehrenamtlichen häufig gar nicht um die große Anerkennung in Form von Ehrungen usw. geht, sondern vielmehr um praktische Unterstützung, ihr Ehrenamt gut ausüben zu können – und kein Geld mitbringen zu müssen. Als besonders belastend hat sich das Parken erwiesen. Mit politischem Rückenwind von allen Ratsfraktionen haben wir dann losgelegt und geprüft, was machbar ist.

Geis: Engagementförderung und Parkraumbewirtschaftung gehen ja meist nicht über den gleichen Schreibtisch. Wie konnten Sie das umsetzen?

Mix: Weil Flensburg eine Anlaufstelle für Bürgerschaftliches Engagement in der Verwaltung hat, ist der Weg schon mal kürzer als von einer externen Stelle. Was wirklich toll war – alle Kolleg*innen haben die Idee äußerst positiv aufgenommen und jede betroffene Abteilung, besonders die Verkehrsbehörde, hat ihren Beitrag geleistet. Auf Basis der Überlegungen haben wir dann Richtlinien formuliert und abgestimmt, eine neue Gebühr eingeführt und gleichzeitig die Übernahme der Gebühr beschlossen. Das Ganze war kein Selbstläufer und hat von der ersten Idee bis zum politischen Beschluss ein Jahr gedauert. Wir sind sehr stolz, dass das alles geklappt hat und bereiten uns jetzt auf den Run auf die Ausnahmegenehmigungen vor.

Geis: Die Zukunft der Stadt im demografischen Wandel können tatsächlich einzelne Teile der Verwaltung nicht alleine gestalten. Ihre Idee steht auch für ein neues Verständnis von Zusammenarbeit. Haben Sie einen Tipp, wie man das gemeinsam weiter entwickeln kann?

Mix: Dass wir die großen Aufgaben nur gemeinsam wuppen können, wissen wir. Im Bereich Klimaschutz sind wir da auch mit dem Klimapakt schon ziemlich weit und haben ein Bündnis aus Verwaltung und Unternehmen, in das im nächsten Schritt die Zivilgesellschaft stärker einbezogen wird. Da ist aber auch das Ziel klar, wir wollen bis 2050 CO2-neutrale Region sein. Bei anderen großen Zukunftsthemen ist das Ziel vielleicht nicht so klar, weshalb es schwieriger ist, die verschiedenen Akteure an Bord zu kriegen. Wahrscheinlich wäre das der erste Schritt. So weit sind wir aber noch nicht. Wir sind jetzt erst mal dabei, Struktur und Transparenz in das zu bringen, was es schon gibt und machen die »Engagierte Stadt« in Flensburg weiter bekannt. Dafür haben wir eine Internetplattform eingerichtet, die der Information, Vernetzung und Gewinnung von Ehrenamtlichen und Interessierten dient. Die Seite www.engagiert-in-flensburg.de wird seit Start im Oktober 2016 bereits sehr gut angenommen.

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