Willkommen in der engagierten Stadt

 

  • 2. Netzwerktreffen in Berlin, September 2016. Foto © Anna Rozkosny

Bürgerschaftliches Engagement ist ein Grundpfeiler der Demokratie, sichert Freiheit, schafft Lebensqualität und prägt den Gemeinsinn. Das Programm »Engagierte Stadt« unterstützt den Aufbau bleibender Engagementlandschaften in Städten und Gemeinden in Deutschland. Es fördert Kooperationen statt Projekte. Die »Engagierte Stadt« begleitet Menschen und Organisationen vor Ort auf ihrem gemeinsamen Weg zu starken Verantwortungsgemeinschaften. Hier geht es zum Erklärfilm, den Informationsflyer zum Programm können Sie gerne herunterladen.

 

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Neues für die engagierte Stadt

Sprache lernen mit Herz und Hand

Sprache ist der einer der entscheidenden Schlüssel zur Integration geflüchteter Menschen. Um jungen Menschen einen Einstieg in die deutsche Sprache zu ermöglichen, organisierte die Stiftung Bethel ein Sprachcamp für junge unbegleitete Flüchtlinge in einer ihrer Clearing-Einrichtungen. Die Bertelsmann Stiftung förderte diese Fortbildung, die Tätigwerden und Lernen in einen Kontext stellte. Eine Gruppe junger Männer baute innerhalb einer Woche ein Drachenboot. Diese Tätigkeit war mit einer intensiven Sprachförderung verbunden: Die jungen Männer erlernten die für diesen Arbeitskontext notwendigen Vokabeln und die erforderlichen grammatischen Strukturen. Ziel der vorliegenden Broschüre ist es, die Frage zu beleuchten, wie diese Idee für die Zielgruppe junge Flüchtlinge in andere Kontexte transferiert werden kann, welche Bedingungen für das Gelingen eines solchen Projektes vorliegen und welche besonderen Erfahrungen Nachahmer berücksichtigen sollten. Weiterführender Link: http://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/sprache-lernen-mit-herz-und-hand/

Den Umgang mit „Anderen“ lernen

„Stehen Sie auf, bewegen Sie sich im Raum und finden Sie sich in kleinen Gruppen zusammen.“ So startete der interkulturelle Workshop mit den 19 Teilnehmern aus Unterstützerkreisen der Flüchtlingshilfe im Landkreis Neustadt/Aisch – Bad Windsheim. Mit sensibilisierenden Übungen, Spielen und alltagsnahen Beispielen kamen die Teilnehmer sofort ins Gespräch und tauschten Erfahrungen über die eigene Kultur aus. Sehr anschaulich und mit viel Humor konnten sich die Teilnehmer so dem Kultur- und Toleranzbegriff annähern. Durch praktische Beispiele vermittelte die Referentin das nötige Rüstzeug im interkulturellen Miteinander. In weiteren Aufgaben ging es um das Bewusstmachen der eigenen Werte und Traditionen. Es stand die Frage im Focus, wie wir den Menschen, die zu uns flüchten, mit ihren Lebenseinstellungen, Werten und Traditionen begegnen. Es ging um den Umgang mit Konflikten aufgrund von unterschiedlichen Vorstellungen und wie wir zu mehr Sicherheit im Dialog mit Menschen verschiedener Kulturen kommen. Im Gegensatz zu den geflüchteten Menschen leben wir in einer individualistisch orientierten Gesellschaft. Freiheit und Selbstbestimmtheit prägen weitgehend unseren Alltag, leider oft auch verbunden mit Isoliertheit und Einsamkeit. Damit kommen diese Neuankömmlinge schwer zurecht. „Umso wichtiger sind hier Integrationspaten. Sie helfen sowohl im Alltag weiter, stehen zu Gesprächen und Freizeitaktivitäten gelegentlich auch abends oder am Wochenende zur Seite“, so Dorothea Hübner, Leiterin des Freiwilligenzentrums. Die Referentin des Workshops, Marina Khanide, ist Ausbilderin für interkulturelles Training und unterstützt mit ihrer Arbeit unter anderem das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, das Goethe-Institut, Wohlfahrtsverbände und Stadtverwaltungen. Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass dieser Workshop hilfreich für die weitere Arbeit in der Flüchtlingshilfe ist. Ursachen vieler Missverständnisse und Fallstricke im interkulturellen Miteinander wurden aufgedeckt und aufgeklärt. Für das leibliche Wohl sorgten Frau Schneider-Rasp und der Unterstützerkreis Uffenheim. Sie übernahmen an diesem Tag die Gastgeber-Rolle und arrangierten das „Rundum-sorglos-Paket“ für die Teilnehmer des Workshops.

Herausforderungen von Engagementnetzwerken

Eine Auseinandersetzung mit den Herausforderungen von Engagementnetzwerken ist das Thema eines Vortrags von Dr. Thomas Röbke, geschäftsführender Vorstand des Landesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement Bayern e.V. und Vorsitzender des BBE-SprecherInnenrates. Aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet er Funktionsweisen, Beispiele und Bedeutung von Engagementnetzwerken. Dabei erläutert er die Vernetzungsstrukturen des bürgerschaftlichen Engagements als einen Zusammenhang von ansonsten getrennten Netzwerkstrukturen: »Die hybride Struktur des Bürgerschaftlichen Engagements mag manchmal nervig sein, weil es sich nicht an Amtszuständigkeiten hält, aber es ist in seiner grenzüberschreitenden Art auch ungemein hilfreich, weil es sich nicht von Amtszuständigkeiten einschüchtern lässt.« Mit Blick auf dieses Phänomen setzt er sich detailliert mit den Freiwilligenagenturen als Netzwerkakteuren auseinander. Bei dem unten stehenden Beitrag handelt es sich um einen Vortrag den Herr Dr. Röbke auf der Festveranstaltung "10 Jahre Lagfa Brandenburg" in der Staatskanzlei Potsdam am 25. Januar 2017 hielt. http://www.b-b-e.de/fileadmin/inhalte/aktuelles/2017/02/newsletter-03-roebke.pdf 

Gießens Konzept, zum Dritten

Im ersten und zweiten Teil unseres Berichts aus Gießen hatten wir unser Konzept und vier von sechs Arbeitsschwerpunkten vorgestellt: Engagement von Unternehmen und lokalen Organisationen Lernwerkstadt, Qualifizierung, Fachtage Den Boden bereiten - Engagement im Quartier Persönliche Unterstützung und Hilfe Hier nun die letzten zwei unserer sechs Schwerpunkte. Engagement für Asylsuchende und Migranten Gerade bei Asyl und Migration zeigt sich, dass es ohne ergänzende Hilfen und Bereitschaften aus der Bürgerschaft kaum möglich ist, ein System flexibler, rascher und persönlicher Unterstützung aufzubauen. In Gießen gibt es in diesem Bereich eine Vielfalt von Initiativen und freiwillig Aktiven. Wir möchten darauf hinwirken, dass auch das Erfahrungswissen und die Kompetenz dieser „neuen Bürgerinitiativen“ Anerkennung finden. Dass das Freiwilligenzentrum für Deutschkurse, wo alltagsnah Sprache geübt wird, seine Räume zur Verfügung stellt, ist selbstverständlich. Darüber hinaus sind wir jedoch bei verschiedenen Runden Tischen und auch bei Koordinationsveranstaltungen aktiv, zu denen Politik und Verwaltung im Kreis zusammen mit einem großen freien Träger einladen. Mit der Übernahme der Moderation und unserer Beteiligung an solchen Veranstaltungen möchten wir vor allem darauf hinwirken dass die in vielen verschiedenen kleinen Gemeinden und Ortsteilen neu entstandenen lokalen Helferinitiativen nicht nur genutzt und organisatorisch eingebaut, sondern auch mit ihren Problemen und ihrem Erfahrungswissen anerkannt und gehört werden. Engagement & Partizipation, Lokale Bürgergesellschaft und Politik Engagement und Beteiligung haben in Gießen viele Gesichter. Das ist gut so. Aber die Fähigkeit einander wahrzunehmen und bei aller Verschiedenheit auch Gemeinsames zur Sprache bringen zu können, kommt nicht von selbst. Das gilt für die Vereine und Initiativen untereinander und auch für das Verhältnis von Stadtpolitik Verwaltung und Bürgerschaft. Wichtig ist hier ein von uns organisiertes regelmäßiges Netzwerktreffen, das etwa alle zwei Monate stattfindet – jeweils bei einer anderen Initiative oder Verein. Man stellt sich vor, lernt sich besser kennen und legt Themen von gemeinsamem Interesse fest – so wie z. B. bei der Diskussion über Ecken und Kanten wirtschaftlicher Tätigkeit gemeinnütziger Vereine: kann ein Verein für einen Bürgerpark einen eigenen Kiosk betreiben? In Gießen haben sich auch Initiativen und Netzwerke gebildet, die vor allem von den Studierenden in dieser Universitätsstadt ausgehen. Sie haben eigene Räume und eine eigene Kultur von Arbeitsräumen, Treffpunkten / Cafés  entwickelt, wo sie an Projekten arbeiten, die von urban gardening über Kulturinitiativen bis hin zu Konzepten für ein neues urbanes Leben in der Stadt reichen. Hier bietet das Netzwerktreffen die Chance für ein „Multikulti“, so, dass solche neuen Initiativen und eher traditionelle Vereine sich kennenlernen können. Wir sind auch dabei, wenn es im Stadttheater Veranstaltungen für eine „Offene Gesellschaft“ gibt, etwa zu Fragen des zusammen Lebens mit neu angekommenen Flüchtlingen, in Sachen Wohnen und Mobilität. Zur Jahreswende geht auch unsere „Interaktive Plattform“ ans Netz. Sie dient nicht zuerst unserer Selbstdarstellung als Freiwilligenzentrum sondern sie soll allen Vereinen und Initiativen in Stadt und Landkreis Gießen als Mitteilungsplattform dienen und die Möglichkeit zur Einmischung geben. Hier treffen traditionelles und neues Engagement aufeinander und kommen dabei einander vielleicht auch näher. Im Bereich der Bürgerbeteiligung hat sich die Stadt Gießen eine eigene Satzung gegeben. Wir möchten, dass dieser Ansatz auch im Umgang mit Vereinen und Projekten der Bürgerschaft wirksam wird. Bürgerbeteiligung und Unterstützung von Engagement in Vereinen und Projekten sollten nicht länger als zwei ganz verschiedene paar Schuhe angesehen werden. Aus dieser Überzeugung heraus machen auch wir nun auch beim Arbeitskreis Bürgerbeteiligung mit, in den wir offiziell von der Stadt Gießen berufen worden sind. Soweit unser Konzept und unsere Arbeit aus der Engagierten Stadt Gießen. Bitte fragen und kommentieren Sie!

Cuxhaven ganz nah

Weit über 100 engagierte Cuxhavener versammelten sich an der „Alten Liebe“, einem der Wahrzeichen Cuxhavens. THW, DRK, DLRG, die freiwillige Feuerwehr, die grünen Damen genauso wie der Nabu, der Kinderschutzbund, die Formularfüchse, und viele andere Vereine und Verbände demonstrierten beeindruckend die Vielfalt des Engagements in Cuxhaven. Der Film zeigt ebenfalls viele Einsatzorte, an denen in Cuxhaven Ehrenamt gelebt wird. https://vimeo.com/196168137  

Konzept und Praxis in Gießen, Teil 2

Im ersten Teil unseres Berichts aus Gießen hatten wir unser Konzept und zwei von sechs Arbeitsschwerpunkten vorgestellt: Engagement von Unternehmen und lokalen Organisationen und Lernwerkstadt, Qualifizierung, Fachtage. Den Boden bereiten - Engagement im Quartier In Gießen arbeiten wir mit der städtischen Wohnbaugesellschaft daran, über Mieterräte Beteiligungsmöglichkeiten auszubauen. Mehr und mehr einbeziehen wollen wir, was sich darüber hinaus an Initiativen zur Revitalisierung des Quartierslebens und zur Stärkung von Nachbarschaften entwickelt. In einigen Wohnvierteln in Gießen engagieren sich die Bewohner für ein besseres Miteinander – z. B. zwischen angestammten Bewohnern und Neuankömmlingen. Nachbarschafts- und Mieterarbeit heißt, mit dem Quartier vertraut werden und miteinander ins Gespräch kommen. Wir haben Rundfahrten, gemeinsame Quartiersspaziergänge, ein Sommerfest und Mieterstammtische organisiert. Für jeden Folgetermin werden die Themen gemeinsam festgelegt. Rechtliche Rahmenbedingungen kamen genauso zur Sprache wie Kommunikation in Konfliktsituationen, Grünflächenbepflanzung und Spielplatzgestaltung. Jeden Donnerstag gibt es bei uns im Freiwilligenzentrum ein MitMachInfo. Hier können sich Mieter nicht nur informieren, sondern auch selber Projekte an den Start bringen. Ein erstes Klima-Projekt zum verantwortungsvolleren Umgang mit Energie ist in Planung. Persönliche Unterstützung und Hilfe Wie vermittle ich persönliche Unterstützung und Schutz der Privatsphäre, Nähe und Distanz, Hilfe und Respekt? Solche Fragen stellen sich quer durch die Einzelbereiche in denen sich Menschen für Menschen in einer „Eins zu Eins Beziehung“ engagieren, ob als Paten, Mentoren oder Betreuer. Solche engagierte und ehrenamtliche persönliche Unterstützung und Anwaltschaft versuchen wir auszubauen und zu stabilisieren. Seit einigen Jahren begleitet und fördert das Freiwilligenzentrum Ansätze der persönlichen Unterstützung, Beratung und Betreuung – sei es bei Lernhilfen im Schulbereich, der Tätigkeit von Mentoren für Jugendliche auf dem Weg ins Berufsleben, Alltagshilfen für Menschen mit Demenz oder bei Lotsen und Paten, die Flüchtlingen im Umgang mit Behörden helfen. Gemeinsam mit der Stadt hat das Freiwilligenzentrum 2016 Integrationslotsen qualifiziert. An zwei Tagen in der Woche stehen sie Menschen mit Migrationshintergrund unterstützend zur Seite. Die ersten Geflüchteten haben zum Beispiel bereits begonnen, sich als Paten für Neuankommende zu engagieren. Ein anderes Beispiel: Für Menschen, die mit einer akuten Erkrankung und einer Demenz in ein Krankenhaus eingeliefert werden, konnten wir mit dem Evangelischen Krankenhaus gemeinsam Wegbegleiter qualifizieren. Nach einem ersten Modelljahr startet im Januar 2017 die zweite Runde. Wir sind dabei, eine Plattform zum Erfahrungsaustausch und zur Qualifizierung für „persönliche Hilfen“ zu schaffen. Die gemeinsamen Aufgaben und Probleme werden 2017 Thema einer eigenen Veranstaltung sein. Fortsetzung folgt!

Bürgerbeirat, Bürgertreff, Apolda!

Der count down läuft: In 3 Monaten öffnet die Landesgartenschau 2017 in Apolda ihre Tore. Die Aufnahme des Bürgerbeirates Apolda in die internationale Studie "New Urban Agenda Konkret – Fallbeispiele aus deutscher Sicht" kann durchaus als Wertschätzung und Anerkennung der Arbeit aller Beteiligten gelten. Es geht um neue Werkzeuge und Instrumentarien zur Umsetzung einer modernen Stadtentwicklung. Apolda steht als Beispiel für die „Kreativität und Offenheit, mit denen viele deutsche Kommunen, Stadtregionen und Städtenetzwerke sich aktuellen und immer komplexeren Transformationsherausforderungen stellen“. Die Studie wurde im November 2016 auf einer Konferenz in Ecuador vorgestellt und ist in Deutsch, Englisch und Spanisch verfügbar. Ein Rückblick: Den Bürgerbeirat für eine bürgernahe Stadtentwicklung auf dem Weg zur Landesgartenschau 2017 in Apolda – so der offizielle Titel - gibt es seit 2012. Zu Beginn stand die Bürgerbeteiligung bei den Planungen der baulichen Begleitmaßnahmen im Vordergrund. Schnell zeigte sich jedoch, dass es parallel dazu auch weitere Gesprächs- und Kommunikationsmöglichkeit geben musste - über den gesamten Zeitraum bis 2017, regelmäßig, offen für alle, ein Austausch ohne eine feste Tagesordnung, bei dem jeder seine Eindrücke, Gedanken, Anregungen, Wünsche und Ideen rund um die Landesgartenschau 2017 äußern und zur Diskussion stellen kann. Dem ersten so konzipierten monatlichen „Offene Bürgertreff Landesgartenschau“ im Dezember 2012 folgten bis heute 43 weitere. Der Bürgermeister, der 1.Beigeordnete, Mitglieder des Stadtrates, Mitarbeiter der Stadtverwaltung, Vertreter der LGS-Gesellschaft u.a. nahmen mehrfach an den Veranstaltungen teil. Derzeit besuchen regelmäßig zwischen 20 und 25 (bei aktuellen Themen auch mehr) Personen die Bürgertreffs, werden 128 Personen direkt per E-Mail eingeladen, hat die facebook-Gruppe „Landesgartenschau Apolda 2017“ 781 Mitglieder. Themen des Bürgerbeirates und auf den Offenen Bürgertreffs in 2016 waren u.a. das Verkehrsleitkonzept der Stadt Apolda im Februar sowie die „Einstellungen und Erwartungen der Apoldaer Bürger gegenüber der Landesgartenschau 2017“. Zu ihrer Masterarbeit mit diesem Titel hatte Frau Karolin Werfel im Februar und März Befragungen durchgeführt. Die Ergebnisse wurden im Juli im Bürgertreff vorgestellt und diskutiert. Ein Dauerthema seit Mitte 2015 sind die sich zunehmend konkretisierenden Ideen und Vorhaben aus der Bürgerschaft zur Landesgartenschau („Bürgerprojekte“). Dabei können die Initiatoren konzeptionell und organisatorisch auf die Unterstützungsmöglichkeiten durch das Projekt „Engagierte Stadt Apolda“ zurückgreifen. 2016 wurden in Apolda praktisch unterstützt: die Erarbeitung des Konzeptes DAVID zur Verhüllung des Museumsgebäudes, das Netzwerkprojekt „Creative Connections“ mit Teilnehmern aus der regionalen Kultur- und Kreativwirtschaft sowie finnischen Partnern, das aktuell anlaufende Projekt „Roter Faden für Apolda“. Für den Tag der Vereine am 9.7.2017 wird ein Gemeinschaftsstand auf dem Landesgartenschaugelände für kleinere Vereine, Initiativen oder auch einzelnen Bürger/innen ohne einen eigenen Stand vorbereitet.

Perspektivwechsel – Über die Schulter geschaut

Der Einladung der „Engagierten Stadt Ahrensburg“ zum besonderen Jahresauftakt in das Peter-Rantzau-Haus folgten am 25.1.2017 mehr als 100 interessierte Bürger, Politiker, Vertreter der ansässigen Organisationen und der Wirtschaft. Unter der Leitung von Armin Diedrichsen (Marstall) zeigten Vertreter verschiedener Organisationen auf, mit welchen Herausforderungen „Menschen in schwierigen Lebenslagen“ aktuell in Ahrensburg zu kämpfen haben. Nina Gülzau vom KINDERHAUS BLAUER ELEFANT berichtete, dass inzwischen ca. jedes 6. Kind in Ahrensburg (d.h. ca. 800 – 900 Kinder) von Armut betroffen ist. Die Konsequenz – diese Kinder sind von Ausgrenzung und Stigmatisierung bedroht. Sie haben weniger Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und schlechtere Bildungschancen. Der SoVD Ortsverband Ahrensburg e.V. verzeichnete im letzten Jahr steigende Mitgliederzahlen und eine Ausweitung seiner Beratungstätigkeit. Für seine Mitglieder hat der Verband fast eine Millionen Euro erstritten, wie Dr. Karl-Heinz Eckert berichtete. Ahrensburg hat zu wenig bezahlbaren Wohnraum – für Menschen mit kleinem Geldbeutel, aber auch für Normalverdiener. Der Verein Heimat e.V. hat sich zum Ziel gesetzt, benachteiligte Personenkreise durch die Zurverfügungstellung von angemessenem Wohnraum zu unterstützen, wie Jürgen Wahl, Vorsitzender des Vereins erklärte. Migranten kennen die Probleme eine bezahlbare Wohnung und einen Arbeitsplatz zu finden. Die Nichtanerkennung der Ausbildung bzw. eine niedrige Ausbildung führt dazu, dass Migranten eher im niedrig Lohnbereich arbeiten, so Mehmet Aydemir, Leiter Internationale Beratung AWO Ahrensburg e.V. Der Bedarf an Beratungen ist auch bei BEST – Beratung für Frauen und Mädchen Ahrensburg e.V. ungebrochen. Er reicht von Konflikten in der Familie, Partnerschaft, über generalisierte Ängste und Depressionen, Trauerbewältigung, Essstörungen bis hin zu Gewalt, wie Petra Karge erläuterte. Für Frauen, die sich in einer Notlage befinden, ist schnelle, unbürokratische Hilfe wichtig. Simon Steinwachs, Stadtortleitung Hölderlin e.V. schilderte wie schwierig die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit psychischen Erkrankungen ist. Der Fall einer jungen Frau, die auf Erwerbsunfähigkeitsrente angewiesen war, aber das Bedürfnis nach einer Beschäftigung hatte und dann eine erfüllende Tätigkeit im Bereich der Flüchtlingshilfe fand, zeigt wie wichtig die Zusammenarbeit verschiedener Stellen ist, um Menschen zu helfen. Mobilitätseinschränkungen können von einem auf den anderen Moment eintreten. Dann braucht man Hilfe und ist auf andere angewiesen. Damit die Mobilität erhalten bleibt gilt es vorzubeugen so Dieter Hoffmann, Berater beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat und dem ADAC Hansa. Damit Menschen künftig schneller den Weg zur Hilfe finden, plant die „Engagierte Stadt Ahrensburg“ – gemeinsam mit zahlreichen ansässigen Organisationen – eine zentrale Anlaufstelle mit dem Namen „BürgerNAH – Navigation durch Ahrensburger Hilfsorganisationen“. Geplante Eröffnung der zentralen, niedrigschwelligen und barrierefreien Anlaufstelle ist im 1. Halbjahr 2017. Diese auf Dauer geplante Anlaufstelle hat drei zentrale Aufgaben: informieren, Engagement fördern und Netzwerkarbeit. - Information: Wir zeigen Menschen den Weg, wo sie die benötigte Hilfe bekommen können. - Engagementförderung: Wir zeigen Interessierten auf, welche Möglichkeiten sie in Ahrensburg haben, sich zu engagieren. - Netzwerk: Wir schaffen Transparenz im sozialen Dienstleistungsangebot der Region indem wir die Organisationen vernetzen gemäß dem Motto: Miteinander statt nebeneinander. Die o.g. Beispiele zeigen, dass die geplante Anlaufstelle „BürgerNAH“ dazu beitragen kann, dass noch mehr und schneller Menschen in Ahrensburger die notwendige Hilfe und Unterstützung finden. „Damit das Mögliche entsteht, muss immer wieder das Unmögliche versucht werden.“ Dazu gehört, das Vertrauen in die Leistungen anderer zu entwickeln, gemeinsam ungewöhnliche Konstellationen zu meistern und miteinander statt nebeneinander zu handeln“, so die Organisatorinnen der „Engagierten Stadt Ahrensburg“, Anne-Rose Sieland und Regine Kersting.
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