Willkommen in der engagierten Stadt

 

  • 2. Netzwerktreffen in Berlin, September 2016. Foto © Anna Rozkosny

Bürgerschaftliches Engagement ist ein Grundpfeiler der Demokratie, sichert Freiheit, schafft Lebensqualität und prägt den Gemeinsinn. Das Programm »Engagierte Stadt« unterstützt den Aufbau bleibender Engagementlandschaften in Städten und Gemeinden in Deutschland. Es fördert Kooperationen statt Projekte. Die »Engagierte Stadt« begleitet Menschen und Organisationen vor Ort auf ihrem gemeinsamen Weg zu starken Verantwortungsgemeinschaften.

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Neues für die engagierte Stadt

ADVENTSKALENDER DES EHRENAMTS

Die Engagierte Stadt Wilhelmshaven wird in diesem Semester von Studentinnen und Studenten der Jade Hochschule unterstützt. Dabei ist unter anderem in Kooperation mit der  "Wilhelmshavener Zeitung“ ein „Adventskalender des Ehrenamts“ entstanden. Angefangen rechtzeitig zum ersten Advent mit der Ausgabe vom Samstag, den 26. November, wird jeden Tag eine Person ausführlich vorgestellt, die sich in der Stadt engagiert. Am Ende werden es sogar 25 Porträts. Auch dabei ist natürlich ein Hinweis auf unserer Webseite! Da wir über die Studierende Text und Fotos liefern konnten, war es nicht schwierig, die Zeitung dafür zu gewinnen. Und die Qualität der Beiträge hat beeindruckt. Alle Beteiligten – Engagierte Stadt, EhrenamtlerInnen, Studierende und Zeitung – gewinnen von der Idee. Die EhrenamtlerInnen werden im Dezember zudem bei einer Ausstellung und sowie im Januar auf Plakaten in der Stadt zu sehen sein. Die angehenden JournalistInnen und MedienwissenschaftlerInnen sind außerdem auf unserer Facebook-Seite aktiv, drehen einen Film und liefern Radiobeiträge für Radio Jade – der als gemeinnütziger Bürgerfunksender Träger der Engagierte Stadt Wilhelmshaven ist. Von Alexander von Fintel, Engagierte Stadt Wilhelmshaven - Radio Jade.  

Kooperationen richtig gestalten

Wenn gemeinnützige Akteure kooperieren, können sie Initiativen erfolgreich und für die Gesellschaft besonders wertvoll machen. Aber es reicht nicht aus, gemeinsam etwas tun zu wollen. Es bedarf noch an einiges mehr. In ihrem Webinar bei openTranser.de gibt uns Nandita Wegehaupt, Projektleiterin bei der Stiftung der Deutschen Wirtschaft, wertvolle Tipps wie man Kooperationen richtig gestaltet. Eine Kooperation bedeutet sowohl Finanzen zu bündeln, als auch Know-how und Netzwerke. Erfolgreich kann eine gemeinsame Initiative nur dann werden, wenn sie strategisch auf die Beteiligung verschiedener Akteure ausgerichtet ist. Im Webinar geht es darum, wie solche Kooperationen zwischen fördernden und operativen Partnern gestaltet werden können. Sehen können Sie das Webinar hier: https://www.youtube.com/watch?time_continue=1&v=NIOmTAYN90g Die Präsentation zum Webinar finden Sie hier.  

Solidarisches Handwerk

Die erste gemeinschaftsgetragene Schneiderei – eine Idee der Engagierten Stadt Herzberg wird Realität. Vor einem Jahr verlegte die polnische Schneidermeisterin Dorota Maravic ihren Wohnort mit Mann und Sohn nach Herzberg. Mit ihrem serbischen Mann hatte sie 25 Jahre lang in Serbien eine Maßschneiderei geleitet. Dank des Programms der Engagierten Stadt Herzbergs, das für Neubürger viele Begegnungs- und Mitmachangebote bereitstellt, fand Dorota schnell Zugang zu den aktiven Gruppen der Engagierten Stadt. In einer Zukunftskonferenz, bei der es auch darum ging, wie man durch neue Formen solidarischen Wirtschaftens auch in einer Kleinstadt mit wenig finanziellem Spielraum qualitativ hochwertige und regional zugängliche Produkte erhalten kann, entwickelte sich die neuartige Idee einer gemeinschaftsgetragenen Schneiderei. „Mit Doras Fachkompetenz haben wir in Herzberg einen Schatz bekommen. Es liegt nun an uns, ob dieser Schatz in der Versenkung verschwindet oder ob wir ihn bergen und Gutes bewirken lassen“, meint Lena Schaumann, die Prozessmanagerin der Engagierten Stadt Herzberg. In einem Vorbereitungsteam wurde die Idee weiterentwickelt. Es wurde die Kommune Kaufungen aufgesucht um sich zu alternativen Wirtschaftsformen beraten zu lassen, aber auch die hiesige Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Region Göttingen wurde kontaktiert und ein Gründerseminar in Göttingen besucht. Am 18. November konnte nun das entwickelte Konzept einer interessierten Öffentlichkeit in den präsentiert werden: Dorota macht sich mit einer Maßschneiderei in Herzberg selbstständig und wird durch eine Gruppe unterstützt, deren Mitglieder mit einem selbstgewählten Beitrag (Richtwert 150 Euro) ihre textile Handwerkskunst ein Jahr lang in Anspruch nehmen. Für Dorota wird damit das Gründerrisiko verringert, die Vorteile für die Gruppenmitglieder sind immens, wie schon bei der Gründerversammlung an Beispielen sichtbar wurde: Ein qualitativ hochwertiges, aber aus der Mode gekommenes Kleidungsstück wird nach eigenen Vorstellungen und mit fachkundiger Beratung zum bewunderten Modell auf der Hochzeitsfeier; eine Hose, die besonders gut passt, wird mit selbstgewählten Stoffen dupliziert; aus Stoffresten entsteht eine Patchworkweste als Unikat; eine Enkelin näht sich ihre ersten T-Shirts dank Dorotas Hilfe selbst. Dazu kommt der Austausch in der Gruppe über gutsortierte Stoffläden in der Region, über deutsche Webereien, die ökologisch unbedenkliche Stoffe anfertigen. Ideengeber für diese Art des gemeinschaftlichen Wirtschaftens ist die Solidarische Landwirtschaft – SoLaWi, die inzwischen in über 100 Gemeinschaften in Deutschland praktiziert wird. Während es dabei um den Anbau und die Verteilung von Lebensmitteln geht, erfolgt hier die Übertragung auf Kleidung, die auch jeder Mensch benötigt. „Wir nehmen unsere Ausstattung mit schönen und gesunden Textilien selbst in die Hand – ähnlich wie die Versorgung mit gesunden, regional erzeugten Lebensmitteln durch solidarisch wirtschaftende Betriebe Realität geworden ist“, fasst die Mitinitiatorin Sigrid Nordhausen das Vorhaben zusammen. Die Übertragung dieser Idee auf weitere Handwerksbereiche ist für die Gruppe gut vorstellbar, deshalb haben sie ihre Initiative SolHaWe Textil – Solidarisches Handwerk Textil – getauft, was Erweiterungen ermöglicht. Bei dem ersten Zusammentreffen wurden bereits 20 Vereinbarungen unterzeichnet. Weitere Interessenten sind herzlich willkommen. Wer mitmachen oder sich über dieses neuartige Wirtschaftsmodell informieren möchte, kann sich an Lena Schaumann, 05521-997451 (lenaschaumann@freenet.de) wenden.

Beteiligungswerkstatt: Vision 2030

Mit durchwegs positivem Echo ging die Beteiligungswerkstatt „Vision 2030: Rheinfelden ist engagierte Stadt“ am vergangenen Samstag über die Bühne. 30 ehrenamtliche Engagierte waren der Einladung vom SAK Quartier und der Freiwilligenagentur der Stadt ins Jugendhaus gefolgt, um über die Zukunft und die Rahmenbedingungen für ehrenamtliche Arbeit in Rheinfelden zu diskutieren. Zu Beginn wurden Bürgermeisterin Diana Stöcker und SAK-Geschäftsführer Christoph Zacheus-Hufeisen von Matthias Zeller, SWR, zu den Zielen des Projekts, der Veranstaltung und den heutigen Herausforderungen für das Ehrenamt befragt. „Wir müssen die Begeisterung und den persönlichen Gewinn für ehrenamtliches Engagement nach außen tragen“, betonte Zacheus-Hufeisen. Netzwerke gehören zum Menschen Anschließend nahm Tobias Studer, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fachhochschule Nordwestschweiz, in seinem Impulsvortrag die drei Kernfragen, die sich im Rahmen der Auftaktveranstaltung „Engagierte Stadt“ im Februar herauskristallisiert hatten, auf. „Der Mensch als soziales Wesen sei unabhängig von sozialen Beziehungen nicht denkbar", so Studer. Hinsichtlich der Frage der Anerkennung von ehrenamtlicher Arbeit, gab er den Anwesenden mit auf den Weg, über neue Formen nachzudenken, eine vermeintlich einheitliche Vorstellung zur Anerkennung gäbe es nicht. 3:2:1 – konkrete Maßnahmen Nach diesen Denkanstößen verteilten sich die Teilnehmer auf drei Gruppen, um konkrete Maßnahmen zu erarbeiten. Nach rund einer Stunde intensivem Brainstorming wurden die verschiedenen Vorschläge in der großen Runde zusammengeführt. Nach dem Motto „3:2:1“ präsentierte jede Gruppe, angeführt von seinem Moderatorenteam, drei schnell umsetzbare Ideen, zwei mittelfristige Vorschläge sowie ein langfristiges Ziel. So schlug beispielsweise die Gruppe „Netzwerke“ ein schwarzes Brett für Vereinsveranstaltungen in Rheinfelden sowohl digital als auch „real“ vor. Gleichzeitig soll der Bürgertreffpunkt noch stärker als Zentrum für Bürgerengagement etabliert werden. Helfen sollen dabei „spartenübergreifende“ Veranstaltungen wie beispielsweise die Hygieneschulung. Ausgehend von den Problemen, die ehrenamtliche Arbeit im Berufsalltag mit sich bringen kann, möchte die Gruppe „Vereinbarkeit von Ehrenamt und Beruf“ noch intensiver auf  Unternehmen und  Schulen zugehen, um Vorteile von bürgerschaftlichem Engagement für Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufzuzeigen. Auch eine Projektliste für mögliches Engagement für Unternehmen soll erstellt werden. Langfristiges Ziel ist die Einrichtung eines „Marktplatzes der guten Geschäfte“. „Dort werden Ideen und Vorhaben von Vereinen gesammelt, und Unternehmen können diese beispielsweise durch Spenden, Sachmittel, Know-How oder Logistik unterstützen“, erklärte Stefanie Franosz, Leiterin der Freiwilligenagentur, die Idee. Zum Thema Anerkennungskultur wünschten sich die Teilnehmer, dass eine Erstattung der Auslagen selbstverständlich sein sollte. Mit einer übergreifenden Ehrenamtsmesse möchte man auf das bürgerschaftliche Wirken verstärkt aufmerksam machen und auch ein bisschen „sich selbst feiern“. Win-Win- Situation für alle Beteiligten Die gesamte Veranstaltung, durch die in gewohnt souveräner und unterhaltsamer Art Matthias Zeller vom SWR führte, war begleitet von lebhaften und intensiven Diskussionen. Für alle Teilnehmer stand es außer Frage, dass ein solches Treffen wiederholt werden muss. „Die Teilnehmer sind oft seit Jahren begeistert im Ehrenamt unterwegs, haben ihre Erfahrungen engagiert eingebracht und die Veranstaltung auch zum Netzwerken genutzt", fasst Bürgermeisterin Diana Stöcker zusammen, die mit dem Verlauf und den Ergebnissen sehr zufrieden ist.  „Wir werden uns in den kommenden Tagen noch einmal zusammensetzen, um die Ergebnisse der Veranstaltung mit klaren Zeithorizonten zu versehen“, so Stöcker.

Demografie Exzellenz Award

Brückenschlag zwischen Nachbarschafts- und Flüchtlingshilfen erhält 1. Platz. „Über Zaun und Grenze“, das Netzwerkprogramm für ehrenamtliches Engagement in Flüchtlings- und Nachbarschaftshilfen des Landkreises Neustadt a. d. Aisch – Bad Windsheim reiste als Nominierte nach Hamburg und holte den Demografie Exzellenz Award 2016 in der Kategorie „fremd & heimisch“ nach Hause. Mit dem Demografie Exzellenz Award werden bundesweit Unternehmen und Organisationen für Leuchtturmprojekte des demografisch orientierten Engagements ausgezeichnet. In sieben verschiedenen Kategorien traten 21 Programme gegeneinander an, darunter vorbildhafte Maßnahmen von Großunternehmen wie Daimler oder Coca-Cola sowie kommunale Projektträger, Institute und Vereine. In der Kategorie „fremd & heimisch“ überzeugte das Netzwerkprogramm „über Zaun und Grenze“ die Fachjury. 2015 vom Freiwilligenzentrum des Caritasverbandes Scheinfeld und Landkreis Neustadt/Aisch – Bad Windsheim initiiert, legte das Netzwerk „über Zaun und Grenze“ den Grundstein für eine Sektor übergreifende Kooperation von Kommune, Wohlfahrtsverbänden, lokaler Wirtschaft und den Initiativen in Nachbarschaftshilfe und Unterstützerkreisen Asyl im Landkreis. Das gemeinsame Ziel: Bürgerschaftliches Engagement in den Nachbarschafts- und Flüchtlingshilfen zu fördern, zu qualifizieren und zu vernetzen mit dem Ergebnis eines kreisweiten, starken Helfer-Netzes für alte und neue Nachbarn aus dem In- und Ausland. [caption id="attachment_2666" align="alignleft" width="300"] v.l.n.r.: Gerhard Wiesler, Anja Haverkock, Dorothea Hübner, Gerhard Behr-Rößler[/caption] Als außergewöhnlich bezeichnete die Laudatorin Katja Urbatsch von Arbeiterkind.de die Verbindung von Nachbarschaftshilfe und dem Engagement für geflüchtete Menschen. „Dieser innovative Aspekt ist dem Bedarf unserer täglichen Arbeitspraxis entsprungen“, erklärte Dorothea Hübner, Leiterin des Freiwilligenzentrums „mach mit!“. Neben gemeinsamen Angeboten für die Ehrenamtlichen ist das Netzwerkprogramm jedoch stets bemüht, auch spezifisch auf die Bedarfe der beiden Zielgruppen einzugehen. „Der Brückenschlag zwischen den Engagementfeldern Nachbarschafts- und Flüchtlingshilfe ist nicht immer einfach. Doch er spiegelt unsere grundlegende Überzeugung wieder, den Menschen ins Zentrum unseres Engagements zu setzen, der hier und jetzt Hilfe braucht, egal ob er in Mittelfranken geboren ist oder aus dem Iran, Syrien oder Eritrea stammt“, so Anja Haverkock, Prozessmanagerin von „über Zaun und Grenze“. Gemeinsam mit allen Partnern hat das Netzwerk in den vergangenen 18 Monaten viel erreicht. Trotzdem kann dies nur der Anfang sein für ein nachhaltiges Engagement zum Wohle aller Bürger im Landkreis. Deshalb macht sich „über Zaun und Grenze“ weiterhin stark für Freiwillige, die sich für andere einsetzen. Am 2. Dezember mit einem Vortrag und anschließender Gesprächsrunde zum Thema „Unsere neuen Nachbarn sind Muslime: wie glauben sie?“ Informationen zu dieser und weiteren Veranstaltungen erhalten Interessierte gern über http://www.ueberzaunundgrenze.de/ oder bei der Koordinierungsstelle im Freiwilligenzentrum.

Warum ist Engagement attraktiv?

Die Frage, warum bürgerschaftliches Engagement so attraktiv ist, ist das Thema eines Beitrages von Dr. Thomas Röbke, Vorsitzender des BBE-SprecherInnenrates und geschäftsführender Vorstand des Landesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement Bayern e.V. Dr. Röbke widmet sich nicht nur individuellen Quellen und Motiven wie Mitleid oder Barmherzigkeit, Stärkung der Gemeinschaft und des Gemeinwohls oder Verwirklichung von Spaß und Freude in Kooperation mit anderen Menschen, sondern ebenso der Ökonomie der Bürgergesellschaft in Form von Genossenschaften und Stiftungen. Bei dem Beitrag, den Sie hier nachlesen können, handelt es sich um einen auf dem Stiftertag Nürnberg am 23. September 2016 gehaltenen Vortrag.

Durch Debatten klüger werden

Bürgerengagement und Bürgerbeteiligung  - zwei Seiten einer Medaille? war Frage und Thema der Vernetzungskonferenz "Mitmachen- Mitbestimmen – Mitgestalten" der Engagierten Stadt Schwerte, an der ca. 60 Personen aus Vereinen, Initiativen, Politik, Verwaltung und Wirtschaft teilnahmen. Prof. Dr. Roland Roth zeigte was Kommunen brauchen, um sich zur Bürgerkommune zu entwickeln und die Förderung von Bürgerengagement und Bürgerbeteiligung zu ihrem Kerngeschäft zu machen. Beteiligung, so Roland Roth wird in Deutschland in erster Linie über die repräsentative Demokratie des Rates und der Parlamente gedacht. Immer deutlicher wird allerdings, dass die Akzeptanz politischer Entscheidungen mit dem Grad der Bürgerbeteiligung wächst. Gehört und ernst genommen zu werden wird Bürgerinnen und Bürgern immer wichtiger und wenn dies nicht durch Verwaltung und Politik organisiert wird, organisieren sich die Bürger selbst, wie z. B. Stuttgart 21 oder Bürgerbadbewegungen zeigen. [caption id="attachment_2647" align="alignright" width="150"] Prof. Dr. Roland Roth[/caption] Forschungen zeigen, dass die Mehrheit der Bevölkerung sagt, es ist in Ordnung Entscheidungen, die politisch getroffen worden sind abzulehnen. Eine vorgeschaltete Debatte kann Meinungen verändern, warb deshalb Roland Roth für offene Beteiligungsverfahren. Untersuchungen zeigen auch, dass 60% bis 80%  der Menschen Beteiligung bei bestimmten Sachthemen will. Diese Veränderung im Demokratieverständnis hat damit zu tun, dass Menschen besser gebildet, ihre Fähigkeiten zahlreichen geworden sind und ihr Kompetenzbewusstsein größer geworden ist. Es gibt eine Selbstwirksamkeitsvermutung – etwas bewegen und gestalten zu können. Jede Kommune geht dabei ihren eigenen Weg. Beispielhaft ist die Einführung kommunaler Beteiligungsleitlinien, die bestimmte Standards von Beteiligung festschreiben, die auch politischer beschlossen und somit verbindlich sind. Hierzu gehören die frühzeitige Information der Bürgerinnen und Bürger über Stadtentwicklungsthemen und Planungen z. B. über so genannte Vorhabenlisten. Auch die Festschreibung eines Beteiligungsmuss ab einer bestimmten Summe, also die Pflicht zur Beteiligung beim Einsatz höherer Geldsummen, die in der Regel Steuergelder sind gehört dazu. Was braucht die Bürgerkommune? Langen Atem und einen Mentalitätswandel Der Weg zur Bürgerkommune, die die Förderung von Bürgerengagement und Bürgerbeteiligung zu ihrem Kerngeschäft macht, endet nicht. Es geht darum durch Debatten klüger zu werden.  Bürgerproteste müssen abgeholt und die darin vorhandenen Kompetenzen der Bürgerschaft genutzt werden. Neue und andere Ideen führen zu besseren Entscheidungen und zu mehr Verantwortlichkeit bei jedem Einzelnen (Bsp. Bürgerbäder – Elsebad). Aber nicht nur Rat und Bürgermeister stehen vor einem Mentalitätswandel. Auch die Anforderungen an Bürgerinnen und Bürger steigen. Sie müssen sich kundig machen und Zeit investieren. Lernprozess Beteiligung ist ein Lernprozess. Hierfür gibt es z. B. in Baden-Württemberg Ausbildungsgänge. Hier werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung zu Trägern der Idee Bürgerbeteiligung. Bürgerbeteiligung wird zum Kerngeschäft der Verwaltung. Wichtig ist es, so Roth Kitas und Schulen in den Prozess zu integrieren damit Beteiligung und Engagement früh gelernt wird. 2006 führte Baden-Württemberg ein themenorientiertes Engagement in Schulen ein. Eine verpflichtende Form Engagement praktisch zu erfahren und zu lernen. Stärkend wirkt auch, dass laut Untersuchungen mittlerweile 2/3 aller Familien Verhandlungsfamilien sind, in denen diskutiert wird, um zu Lösungen zu gelangen. Kinder werden nach ihrer Meinung gefragt. Ressourcen Eine weitere Grundlage für Beteiligung ist Zeit, Geld und Personal. Nicht nur Beteiligungsverfahren kosten Geld und den Einsatz von (zuvor geschultem) Personal sondern auch Beteiligungsprojekte brauchen Geld. Hierfür können Fonds eingerichtet oder Budgets aufgelegt werden. Beispielhaft in der Beteiligung von Schülerinnen und Schülern sind Schülerhaushalte. Die Schülerschaft bekommt z. B. 7000,00€ und entwickelt Projekte um ihre Schule schülerfreundlich zu gestalten. Diese Projektidee war besonders in Förderschulen eine große Erfahrung für Kinder und Jugendlichen, einfach nach ihren Ideen gefragt zu werden und diese auch umsetzen zu können, so Roth. Und nicht zuletzt braucht die Bürgerkommune eine Koordinierungsstelle für das Thema Beteiligung und Engagement. Tricks In der sich anschließenden Diskussion wurde Roland Roth nach Tricks befragt, wie das Thema Bürgerengagement und Bürgerbeteiligung nach vorne gebracht werden kann. Der Trick besteht darin, so Roth, dass alle es wollen. Rat und Verwaltung, insbesondere die Stadtspitze muss die Bürgerkommune wollen. Wie geht es weiter in Schwerte? Schwerte hat 2015 eine Entwicklungsgruppe Bürgerkommune gegründet, die aus Vertreterinnen und Vertretern der Verwaltung, inklusive Bürgermeister sowie Vertreterinnen und Vertreter der im Rat aktiven Parteien und Akteurinnen und Akteure aus dem Bürgerengagement und der Wirtschaft besteht. Gemeinsam soll bis Ende 2017 ein Konzept zur Förderung von Bürgerengagement und Bürgerbeteiligung erarbeitet und politisch beschlossen werden. Der Vortrag von Prof. Dr. Roth war für die Gruppe und alle anderen Gäste sehr inspirierend. Die Vernetzungskonferenz wird auch 2017 stattfinden und Gelegenheit zur Vernetzung und Diskussion bieten. Von Anke Skupin, Engagierte Stadt Schwerte

Kostenfreies Handbuch zu Pflege, Engagement und Qualifizierung

Dort, wo Engagierte Qualifizierung und Möglichkeiten des Austauschs erhalten, fühlen sie sich in ihrem  Ehrenamt gut vorbereitet und kompetent, ältere und pflegebedürftige Menschen zu begleiten. Diese wichtige Erkenntnis konnte aus dem Projekt PEQ - Pflege, Engagement und Qualifizierung, das aus Mitteln des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Projekt in Trägerschaft des Deutschen Vereins für öffentliche und private Fürsorge e.V. finanziert worden ist, gewonnen werden. Die Ergebnisse des Projektes wurde nun  in dem Schulungshandbuch PEQ Pflege, Engagement und Qualifizierung zusammengeführt. Auf ansprechend gestalteten Seiten wird kompakt und anhand von Schulungsbeispielen beschrieben, welche Handlungsfelder für Engagierte im Umfeld von Pflege in Betracht kommen und wie Schulungsthemen, wie zum Beispiel "Kommunikation", "Recht und Regeln", "Begleitung" oder "Angehörige und Bezugspersonen" konkret umgesetzt werden können. Das Handbuch beschreibt das Aufgaben- und Kompetenzprofil von Ehrenamtlichen im Umfeld von Pflege, bietet ein modulares Curriculum für praxisrelevante Schulungen und gibt Tipps für die Begleitung von Ehrenamtlichen vor Ort. Eine Druckversion des Handbuchs können Sie kostenfrei unter folgendem Link beim Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge e.V. bestellen. Pro Einrichtung können maximal zwei Exemplare gegen Übernahme der Porto- und Materialkosten in Höhe von 2,00 Euro bezogen werden. Das komplette Handbuch ist auch digital unter: https://www.deutscher-verein.de/de/uploads/hauptnavigation/peq/pdf/peq_schulungsbuch_komplett.pdf abrufbar.

Netzwerktreffen: Der Film

100 engagierte Menschen trafen sich für zwei Tage zum kollegialen Austausch, kreativen Problemlösen auf Augenhöhe und Lernen von Experten beim Netzwerktreffen der Engagierten Stadt. Alle 50 Engagierten Städte und die Programmträger aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, der Bertelsmann Stiftung, der BMW Stiftung Herbert Quandt, des Generali Zukunftsfonds, der Herbert Quandt-Stiftung, der Körber-Stiftung und der Robert Bosch Stiftung waren mit unzähligen Ideen, Kompetenzen und Erfolgsgeschichten vertreten. [caption id="attachment_2561" align="aligncenter" width="640"] 2. Netzwerktreffen in Berlin, September 2016. Foto © Anna Rozkosny[/caption] Nicht nur vor Ort, auch unter den Engagierten Städten hat zudem das vorsichtige Kennenlernen und Austesten einem kollegialen und selbstbewussten Miteinander Platz gemacht. „Nach den vielen Impulsen von außen zeigt sich jetzt: Die Engagierten Städte haben selbst die Expertise“, fasste Karin Haist von der Körber-Stiftung die spürbare Entwicklung seit dem Startschuss der Initiative zusammen. Bereits in der Eröffnungsrede appellierte Gastreferent Dr. Reiner Klingholz vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung an das neu gewonnene Selbstbewusstsein und rief zur "geplanten Anarchie" auf. Seine These: Innovationen in Zeiten des demografischen Wandels werden häufig erst möglich, wenn man einige Regeln bewusst übergeht. Ob in den Workshops, den Pausen, dem Weg zum Hotel– Austausch fand immer und überall statt. Am Ende der zwei Tage nahmen alle neue Ideen und ergänzende Werkzeuge für den eigenen Methodenkoffer mit in ihre Engagierte Stadt; aber sehen Sie selbst: https://www.youtube.com/watch?v=Wk4ko8OdgUI Wenn Sie sich ausführlicher zum Netzwerktreffen informieren möchten, können Sie hier einen Konferenzbericht lesen.
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