Das bewegt die engagierte Stadt

Bundeswettbewerb „Zusammenleben Hand in Hand – Kommunen gestalten“

Start des Wettbewerbs ist der 12. Juni 2017, Bewerbungsschluss ist der 31. Dezember 2017. Für die prämierten Wettbewerbsbeiträge stellt das Bundesministerium des Innern insgesamt bis zu 1 Mio. Euro zur Verfügung. Das Deutsche Institut für Urbanistik unterstützt das Bundesministerium des Innern bei Konzeption, Organisation und Durchführung des Wettbewerbs. Die Preisverleihung findet im Juni 2018 in Berlin statt.

Gemeinsam für ein Miteinander

Mit dem Projekt „Unsere Stadt – Unsere Uni“ setzen Universität und Stadt ein sichtbares Signal für ein internationales und weltoffenes Miteinander. Während der Auftaktveranstaltung: Bürger*Innen erarbeiten gemeinsam die ersten Projektideen um ausländische Studierende besser in Marburg ankommen lassen zu können.

Das Gemeinschaftsprojekt der Philipps-Universität Marburg, der Stadt Marburg und der Freiwilligenagentur Marburg-Biedenkopf e.V. bringt ausländische Studierende und Promovierende mit Marburger*Innen zusammen und stärkt den interkulturellen Dialog zwischen Universität und Stadtgesellschaft. Die Auftaktveranstaltung am 06.06.2017 im Historischen Rathaussaal der Stadt Marburg vom Projekt „Unsere Stadt – Unsere Uni“ wurde vom Oberbürgermeister der Stadt Marburg, Dr. Thomas Spies und der Vizepräsidentin für Studium und Lehre der Philipps-Universität, Prof. Dr. Evelyn Korn, am 06.06.2017 eröffnet.

Gemeinsam Stadt und Uni erleben – das ist Ziel des Projektes. Ob Kochabende oder gemeinsame Sportaktivitäten, Unterstützung bei Behördengängen bis hin zu Einladungen an Feiertagen:  Die Möglichkeiten sich zu engagieren sind ebenso vielfältig, wie das Leben in Marburg.  Die Idee der Auftaktveranstaltung war, die Projektidee vorzustellen aber vor Allem lag der Fokus auf der gemeinsamen Ideensammlung mit den interessierten Bürger*Innen.

Während der Auftaktveranstaltung von „Unsere Stadt – Unsere Uni“, haben Marburger*Innen Ihre Vorstellungen und Umsetzungsideen im Zuge des Projekts kommuniziert, überlegt und ausgearbeitet. Das Projekt ist offen für alle Interessierte: Marburger*Innen können sich mit der Freiwilligenagentur Marburg-Biedenkopf in Verbindung setzen. Ausländische Studierende die sich für das Projekt interessieren können sich direkt an das International Office wenden.

Wir sind gespannt auf die zweite Veranstaltung am 19.09.2017 zu der ebenfalls alle Interessierten  herzlich eingeladen sind, das Projekt „Unsere Stadt – Unsere Uni“ mit Leben zu füllen. Nähere Informationen finden Sie unter www.freiwilligenagentur-marburg.de

Ziele und Wirkung des kreisweiten Netzwerkes diskutiert

„Über Zaun und Grenze – das Netzwerk für Flüchtlings- und Nachbarschaftshilfe hat im Landkreis viel bewirkt. Es muss weiter bestehen bleiben und seine Arbeit fortsetzen.“ So betonten es die Netzwerkpartner, Mitarbeiter aus Wohlfahrtsverbänden, ehrenamtlichen Helferkreisen und verschiedenen Behörden.  Sie alle kamen auf Einladung der Koordinierungsstelle des Freiwilligenzentrums der Caritas am Dienstag, 16. Mai 2017 in Neustadt an der Aisch zusammen. Beim 8. Runden Tisch überlegten sie, wie es zukünftig weitergehen soll.

„Unser Landkreis wird älter und bunter. Dass dies gerade in den vergangenen zwei Jahren nicht zu chaotischen Missständen geführt hat, ist den vielen engagierten Bürgern zu verdanken, die diese Herausforderung aktiv mitgestalten, “ begrüßte Dorothea Hübner, Leiterin des Freiwilligenzentrums, die 19 Teilnehmer am Runden Tisch. Jeder Teilnehmer äußerte seine Sichtweise und wie er das Netzwerk „über Zaun und Grenze“ seit Beginn im September 2015 bis heute wahrgenommen hat.

8. Runder Tisch üZuG„Braucht es das Netzwerk weiterhin?“, warf Hübner die Frage in die Runde. Der gemeinsame Konsens lautete: Das Netzwerk hat viel für die Ehrenamtlichen, deren Anerkennung und die Zusammenarbeit in der Kommune geleistet. Es gibt dort immer ein offenes Ohr und es pflegt einen unkomplizierten Austausch. Die Koordinierungsstelle muss es weiterhin geben.

Ehrenamtliche aus Flüchtlings- und Nachbarschaftshilfen erhielten über die im Spätsommer 2015 neu geschaffene Koordinierungsstelle des Freiwilligenzentrums bedarfsgerechte Unterstützung und Qualifizierung. Sie bietet nach wie vor neue Vernetzungsmöglichkeiten und trägt zur Transparenz bei. Aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung verlagerte sich der Schwerpunkt hin zur Flüchtlingshilfe, wobei die Nachbarschaftshilfen auch beim Aufbau, bei der Organisation, Qualifikation und Vernetzung unterstützt wurden.

In enger Verknüpfung und einem lebendigen Austausch wird das Netzwerk als eine ständige Quelle von Informationen und Herausforderungen gesehen. Positiv wirkt hier die eigens aufgebaute Homepage www.ueberzaunundgrenze.de. Sie bietet aktuelle Informationen, Vernetzungsmöglichkeiten untereinander und kostenlose Nutzung aller Initiativen auf einer eigenen Plattform. Fazit: es wurde viel bewegt und bewirkt. „Ein Netz fängt ein, bündelt und man kann sich auch was herausholen“, so Jürgen Rotter vom Diakonischen Werk.

Im Landkreis geschah in den vergangenen Jahren sehr viel Gutes, sowohl von hauptamtlicher als auch von ehrenamtlicher Seite. Negative Schlagzeilen blieben weitestgehend bisher aus. Wenngleich das Angebot bisher gut angenommen wurde, wird es noch nicht flächendeckend im Landkreis von allen Flüchtlings- und Nachbarschaftshilfen genutzt. Zudem sind viele Helfer erschöpft und haben ihr Engagement beendet. Deshalb werden dringend neue Engagierte gesucht.

In einem weiteren Schritt überlegten die Teilnehmer, wo aktuell größter Handlungsbedarf besteht. Hier wurden Themen genannt wie der fehlender Wohnraum, geringe Mobilität, unzureichende Infrastruktur, der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen und Möglichkeiten der Begegnung. In vielen Orten des Landkreises gibt es keine Nachbarschaftshilfen.

„Über Zaun und Grenze“ versteht sich als Netzwerk vom Engagement Einzelner hin zu einer Verantwortungsgemeinschaft vor Ort und zielt auf einen starken Verbund von Kommune, Wohlfahrt, Wirtschaft und engagierten Bürgern. Mit kritischem Blick auf die Zukunft bleibt die Integration neuer Mitbürger und der demografische Wandel weiterhin eine große Herausforderung in unserem Landkreis. Eine Herausforderung, die den langen Atem aller Beteiligten fordert.

Die erste Förderperiode der „engagierten Stadt“, mit deren finanzieller und fachlicher Unterstützung  diese Koordinierungsstelle installiert und aufgebaut werden konnte, endet im Dezember 2017. Doch Ehrenamt braucht Hauptamt. Durch eine neue Förderung des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Soziales, Familie und Integration sollen sogenannte „Integrationslotsen“ in Kürze auf den Weg gebracht werden.

Weiterhin im Blick bleibt die gemeinsam formulierte Vision, dass Menschen unseres Landkreises über Zäune und Grenzen hinweg in fürsorglichem Miteinander leben, getragen von einem aktiven Helfer-Netz für alte und neue Nachbarn aus In- und Ausland. Hübner dankte allen fürs Kommen, Mitdenken und Mitwirken und verabschiedete die Gäste: „Gemeinsam geht’s besser. Lasst uns weiter am Netz knüpfen für einen engagierten Landkreis zum Wohle aller Bürger.“

Deutsch-Türkische Community in Worms

Das Team der Engagierten Stadt und der Deutsch-Türkische Community mit seinen Mitgliedern Uzatmaz Serdar, Norbert Haas, Nurlan Mamadov und Ali Kesler trafen sich in der Ehrenamtsbörse zum Kennenlernen und Erfahrungsaustausch. Die größte Gruppe im Quartier der Engagierten Stadt sind mit 1.243 Bewohnern die 20 bis 39 Jährigen, von denen 46 % Migrationshintergrund haben und 722 Kinder und Jugendliche. Das ist die Zielgruppe der Community,  einheimische und türkischstämmige  junge Menschen der 3. und 4. Generation ehemaliger Einwanderfamilien zu gewinnen. Es wurde in der Vergangenheit auf beiden Seiten versäumt, sich mit der jeweiligen Kultur vertraut zu machen. Die Kinder ehemaliger Einwanderer wissen immer noch nicht, warum Ostern oder Weihnachten gefeiert wird, ebenso ist für die einheimischen Deutschen der Ramadan eine Zeit mit sieben Siegeln.

„Wir wollen das ändern“, sagt der Vorsitzende Serdar Uzatmaz. Er ist sich auch nicht zu schade gewesen, im Seniorenheim als Weihnachtsmann aufzutreten. St. Nikolaus kommt schließlich aus dem Orient, was mancher Einheimischer auch nicht weiß. „Wir sind nicht Türken mit deutschem Pass, sondern Deutsche mit türkischen Wurzeln, so wie es durch Kriege viele Deutsche mit russischen oder polnischen Wurzeln gibt. Sie lieben ihre Stadt Worms und freuen sich, in der traumhaften rheinhessischen Landschaft zu leben, die eine Geschichte vielfältiger Integration hat. „Es gibt gut aussehende rheinhessische Menschen mit schwarzen Haaren, die als Italiener oder Franzosen durchgehen würden“, erzählt  Christina Heimlich eine Anekdote von einem Frankreichbesuch, wo ihr Mann, ein rheinhessisches Urgestein, glatt für einen Franzosen gehalten wurde.  Uzatmaz, der auch Mitglied im Stadtrat ist und über große Netzwerkkontakte verfügt, ist sicher, dass die persönliche Kommunikation der Weg zum Ziel ist. „Unsere Generation und unsere Kinder können das. Wir waren und sind auf deutschen Schulen gewesen, haben studiert oder eine gute Ausbildung gemacht. Unsere Töchter haben dieselben Chancen und werden gefördert. Deshalb haben wir die Initiative ergriffen und kümmern uns um die Integration selbst“.

Christina Heimlich, die Netzwerkverantwortliche der Engagierten Stadt Worms, erkennt in diesen Ideen das Netzwerkmotto für Worms „Multikulturell, traditionell, bunt“ und freut sich darüber, dass nun diese Kooperation entstehen wird. Die Deutsch-Türkische Community wird die Bewohner ihres Kreises auffordern, auch beim Picknick im Albert-Schulte-Park  am 25.6. – ab 13.00 Uhr dabei zu sein. Salate, süße und salzige türkische Gebäcke werden mit deutschem Kuchen und Kaffee geteilt. „Über die Facebook-Seite „Ehrenamtsbörse“ und „DTCW“ können wir uns gegenseitig zu Treffen und Veranstaltungen einladen“, rät Martin Gauer, der Koordinator der Ehrenamtsbörse. Heimlich fordert auch Senioren auf, mal ins Smartphone zu schauen, um informiert zu sein, was es hier Neues gibt. Es läuft auch gerade die Einladung zu einem Fotowettbewerb für Jugendliche im Quartier „Mein Blickwinkel“ – wie sieht die ganz junge Generation ihr Quartier in der Innenstadt von Worms?

Religionsmonitor Flüchtlingshilfe

Im Spätsommer 2015 stellte die Flüchtlingssituation Deutschland vor große Herausforderungen. Es formierten sich zahlreiche Initiativen, um für die neu Angekommenen Unterstützung im Alltag zu organisieren. Viele dieser Hilfsinitiativen gingen von Religionsgemeinschaften aus. Kirchen, Moscheen und andere Glaubenshäuser haben ihre Räumlichkeiten für die Geflüchteten, aber auch für die Organisation der Flüchtlingshilfe geöffnet.

Es gab allerdings auch kritische Stimmen – diese betrafen insbesondere das Engagement der Muslime. Einerseits wurde ihnen vorgeworfen, sich zu wenig an der Flüchtlingshilfe zu beteiligen. Andererseits wurden in der Öffentlichkeit mögliche Versuche der Einflussnahme auf Geflüchtete durch radikale salafistische Prediger diskutiert.

Diese Wahrnehmungen und Debatten hat die Bertelsmann Stiftung zum Anlass genommen, genauer zu fragen, welche Rolle Religion und religiöse Einstellungen für die Flüchtlingshilfe spielen. Relevante Aufschlüsse dazu liefert der Religionsmonitor 2017, dessen repräsentative Daten die Basis der vorliegenden Studie bilden.

Miteinander, füreinander!

Die gesellschaftlichen Entwicklungen, die sich vor dem Hintergrund der Flüchtlingszuwanderung abzeichnen, betreffen uns alle. Für das Zusammenleben ist es entscheidend, den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und eine solidarische, offene und von Vielfalt geprägte Gesellschaft aufrecht zu erhalten und aktiv zu gestalten.

Mit dem Programm „Miteinander, füreinander! Begegnungen mit Flüchtlingen gestalten“ fördert die Robert Bosch Stiftung Praxisprojekte, die Begegnungen auf Augenhöhe zwischen Flüchtlingen und der lokalen Bevölkerung vor Ort herstellen. Um eine Förderung bewerben können sich Initiativen aus Kommunen mit bis zu 100.000 Einwohnern oder strukturschwache Regionen. Die Höchstfördersumme beträgt 20.000€.

Sprache lernen mit Herz und Hand

Sprache ist der einer der entscheidenden Schlüssel zur Integration geflüchteter Menschen. Um jungen Menschen einen Einstieg in die deutsche Sprache zu ermöglichen, organisierte die Stiftung Bethel ein Sprachcamp für junge unbegleitete Flüchtlinge in einer ihrer Clearing-Einrichtungen.

Die Bertelsmann Stiftung förderte diese Fortbildung, die Tätigwerden und Lernen in einen Kontext stellte. Eine Gruppe junger Männer baute innerhalb einer Woche ein Drachenboot. Diese Tätigkeit war mit einer intensiven Sprachförderung verbunden: Die jungen Männer erlernten die für diesen Arbeitskontext notwendigen Vokabeln und die erforderlichen grammatischen Strukturen.

Ziel der vorliegenden Broschüre ist es, die Frage zu beleuchten, wie diese Idee für die Zielgruppe junge Flüchtlinge in andere Kontexte transferiert werden kann, welche Bedingungen für das Gelingen eines solchen Projektes vorliegen und welche besonderen Erfahrungen Nachahmer berücksichtigen sollten.

Weiterführender Link: http://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/sprache-lernen-mit-herz-und-hand/

Den Umgang mit „Anderen“ lernen

„Stehen Sie auf, bewegen Sie sich im Raum und finden Sie sich in kleinen Gruppen zusammen.“ So startete der interkulturelle Workshop mit den 19 Teilnehmern aus Unterstützerkreisen der Flüchtlingshilfe im Landkreis Neustadt/Aisch – Bad Windsheim. Mit sensibilisierenden Übungen, Spielen und alltagsnahen Beispielen kamen die Teilnehmer sofort ins Gespräch und tauschten Erfahrungen über die eigene Kultur aus. Sehr anschaulich und mit viel Humor konnten sich die Teilnehmer so dem Kultur- und Toleranzbegriff annähern. Durch praktische Beispiele vermittelte die Referentin das nötige Rüstzeug im interkulturellen Miteinander.

In weiteren Aufgaben ging es um das Bewusstmachen der eigenen Werte und Traditionen. Es stand die Frage im Focus, wie wir den Menschen, die zu uns flüchten, mit ihren Lebenseinstellungen, Werten und Traditionen begegnen. Es ging um den Umgang mit Konflikten aufgrund von unterschiedlichen Vorstellungen und wie wir zu mehr Sicherheit im Dialog mit Menschen verschiedener Kulturen kommen. Im Gegensatz zu den geflüchteten Menschen leben wir in einer individualistisch orientierten Gesellschaft. Freiheit und Selbstbestimmtheit prägen weitgehend unseren Alltag, leider oft auch verbunden mit Isoliertheit und Einsamkeit. Damit kommen diese Neuankömmlinge schwer zurecht. „Umso wichtiger sind hier Integrationspaten. Sie helfen sowohl im Alltag weiter, stehen zu Gesprächen und Freizeitaktivitäten gelegentlich auch abends oder am Wochenende zur Seite“, so Dorothea Hübner, Leiterin des Freiwilligenzentrums.

die Gruppe beim interkulturellen workshopDie Referentin des Workshops, Marina Khanide, ist Ausbilderin für interkulturelles Training und unterstützt mit ihrer Arbeit unter anderem das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, das Goethe-Institut, Wohlfahrtsverbände und Stadtverwaltungen. Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass dieser Workshop hilfreich für die weitere Arbeit in der Flüchtlingshilfe ist. Ursachen vieler Missverständnisse und Fallstricke im interkulturellen Miteinander wurden aufgedeckt und aufgeklärt. Für das leibliche Wohl sorgten Frau Schneider-Rasp und der Unterstützerkreis Uffenheim. Sie übernahmen an diesem Tag die Gastgeber-Rolle und arrangierten das „Rundum-sorglos-Paket“ für die Teilnehmer des Workshops.

Gießens Konzept, zum Dritten

Im ersten und zweiten Teil unseres Berichts aus Gießen hatten wir unser Konzept und vier von sechs Arbeitsschwerpunkten vorgestellt:

  • Engagement von Unternehmen und lokalen Organisationen
  • Lernwerkstadt, Qualifizierung, Fachtage
  • Den Boden bereiten – Engagement im Quartier
  • Persönliche Unterstützung und Hilfe

Hier nun die letzten zwei unserer sechs Schwerpunkte.

Engagement für Asylsuchende und Migranten

Gerade bei Asyl und Migration zeigt sich, dass es ohne ergänzende Hilfen und Bereitschaften aus der Bürgerschaft kaum möglich ist, ein System flexibler, rascher und persönlicher Unterstützung aufzubauen. In Gießen gibt es in diesem Bereich eine Vielfalt von Initiativen und freiwillig Aktiven. Wir möchten darauf hinwirken, dass auch das Erfahrungswissen und die Kompetenz dieser „neuen Bürgerinitiativen“ Anerkennung finden.

Dass das Freiwilligenzentrum für Deutschkurse, wo alltagsnah Sprache geübt wird, seine Räume zur Verfügung stellt, ist selbstverständlich. Darüber hinaus sind wir jedoch bei verschiedenen Runden Tischen und auch bei Koordinationsveranstaltungen aktiv, zu denen Politik und Verwaltung im Kreis zusammen mit einem großen freien Träger einladen. Mit der Übernahme der Moderation und unserer Beteiligung an solchen Veranstaltungen möchten wir vor allem darauf hinwirken dass die in vielen verschiedenen kleinen Gemeinden und Ortsteilen neu entstandenen lokalen Helferinitiativen nicht nur genutzt und organisatorisch eingebaut, sondern auch mit ihren Problemen und ihrem Erfahrungswissen anerkannt und gehört werden.

Engagement & Partizipation, Lokale Bürgergesellschaft und Politik

Engagement und Beteiligung haben in Gießen viele Gesichter. Das ist gut so. Aber die Fähigkeit einander wahrzunehmen und bei aller Verschiedenheit auch Gemeinsames zur Sprache bringen zu können, kommt nicht von selbst. Das gilt für die Vereine und Initiativen untereinander und auch für das Verhältnis von Stadtpolitik Verwaltung und Bürgerschaft.

FSA Ju InisWichtig ist hier ein von uns organisiertes regelmäßiges Netzwerktreffen, das etwa alle zwei Monate stattfindet – jeweils bei einer anderen Initiative oder Verein. Man stellt sich vor, lernt sich besser kennen und legt Themen von gemeinsamem Interesse fest – so wie z. B. bei der Diskussion über Ecken und Kanten wirtschaftlicher Tätigkeit gemeinnütziger Vereine: kann ein Verein für einen Bürgerpark einen eigenen Kiosk betreiben? In Gießen haben sich auch Initiativen und Netzwerke gebildet, die vor allem von den Studierenden in dieser Universitätsstadt ausgehen. Sie haben eigene Räume und eine eigene Kultur von Arbeitsräumen, Treffpunkten / Cafés  entwickelt, wo sie an Projekten arbeiten, die von urban gardening über Kulturinitiativen bis hin zu Konzepten für ein neues urbanes Leben in der Stadt reichen. Hier bietet das Netzwerktreffen die Chance für ein „Multikulti“, so, dass solche neuen Initiativen und eher traditionelle Vereine sich kennenlernen können. Wir sind auch dabei, wenn es im Stadttheater Veranstaltungen für eine „Offene Gesellschaft“ gibt, etwa zu Fragen des zusammen Lebens mit neu angekommenen Flüchtlingen, in Sachen Wohnen und Mobilität.

Zur Jahreswende geht auch unsere „Interaktive Plattform“ ans Netz. Sie dient nicht zuerst unserer Selbstdarstellung als Freiwilligenzentrum sondern sie soll allen Vereinen und Initiativen in Stadt und Landkreis Gießen als Mitteilungsplattform dienen und die Möglichkeit zur Einmischung geben. Hier treffen traditionelles und neues Engagement aufeinander und kommen dabei einander vielleicht auch näher.

Im Bereich der Bürgerbeteiligung hat sich die Stadt Gießen eine eigene Satzung gegeben. Wir möchten, dass dieser Ansatz auch im Umgang mit Vereinen und Projekten der Bürgerschaft wirksam wird. Bürgerbeteiligung und Unterstützung von Engagement in Vereinen und Projekten sollten nicht länger als zwei ganz verschiedene paar Schuhe angesehen werden. Aus dieser Überzeugung heraus machen auch wir nun auch beim Arbeitskreis Bürgerbeteiligung mit, in den wir offiziell von der Stadt Gießen berufen worden sind.

Soweit unser Konzept und unsere Arbeit aus der Engagierten Stadt Gießen. Bitte fragen und kommentieren Sie!

Sprachkurs „Mama lernt Deutsch“

Im Rahmen des Programms „Engagierte Stadt Illingen“ ist es dem ASB Ortsverband Illingen gelungen, einen ganz besonderen Sprachkurs für Geflüchtete anzubieten. Seit 15. November 2016 können sich Flüchtlingsmütter mit der deutschen Sprache vertraut machen. Der Sprachkurs „Mama lernt Deutsch“ wendet sich an eine Zielgruppe, die aufgrund ihrer familiären Einbindung bei der sprachlichen Integration benachteiligt ist. Als Mütter und Hausfrauen versorgen sie oft einen Mehrpersonenhaushalt und finden kaum Gelegenheit, die deutsche Sprache zur Bewältigung vielfältiger Alltagssituationen zu erlernen. Der tägliche Einkauf, der Arzt- oder Behördenbesuch und die dafür erforderlichen Terminabsprachen sowie die Verständigung mit dem Kindergarten- und Schulpersonal sind Herausforderungen, denen sich viele Flüchtlingsfrauen nicht gewachsen fühlen. Sie können aufgrund fehlender Kindergarten- und Schulplätze die vielfältigen Sprachkurs-Angebote aufgrund ihrer Betreuungsaufgaben nicht wahrnehmen.

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Foto: Thomas Keller, Gemeinde Illingen

Diese Situation hat die „Engagierte Stadt Illingen“ beim ASB Illingen aufgegriffen und ein Sprachkurskonzept entwickelt, das der Lebenssituation geflüchteter Mütter gerecht wird. Mit finanzieller Unterstützung des ASB-Bundesverbandes Köln und der „Aktion Deutschand hilft“ hat das Projektteam Anke Thome und Horst Maas – zusammen mit weiteren engagierten Ehrenamtlichen – ein Gesamtpaket entwickelt, das Abhol- und Rückfahrdienst mit Kleinbussen, Betreuung der nicht in Kindergärten bzw. Schulen untergebrachten Kinder und  selbstverständlich auch den Deutsch-Sprachkurs gewährleistet. 27 Mütter in 3 Lerngruppen machen sich – zusammen mit 3 erfahrenen Sprachlehrern – mit der deutschen Sprache vertraut, während sich qualifizierte Betreuerinnen in getrennten Räumlichkeiten um bis zu 35 Kinder kümmern. Die Motivation bei den Teilnehmerinnen ist nicht zuletzt auch deshalb ungebrochen, weil sie nach festem Fahrplan morgens von einem zweiköpfigen Fahrdienst zu Hause abgeholt und nach dem 90minütigen Unterricht mit ihren Kindern wieder zurück gebracht werden. Ein Angebot, das von der Zielgruppe besonders geschätzt wird, zumal die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln im ländlichen Bereich nicht optimal ist und die Fahrpreise das Familien-budget zu sehr belasten würden. Der Unterricht und die Betreuung der Kinder findet morgens im alten Schulgebäude „Auf der Lehn“ in Illingen statt, in dem auch die Freiwillige Ganztagesschule (FGTS) untergebracht ist.

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Foto: Thomas Keller, Gemeinde Illingen

Der Sprachkurs „Mama lernt Deutsch“ wird zunächst bis zum Frühjahr 2017 weitergeführt – nach gesicherter Folgefinanzierung auch gerne darüber hinaus.
Dr. Armin König, Bürgermeister der Gemeinde Illingen und Guido Jost, Landesvorsitzender des ASB Saarland, äußerten sich begeistert über den gelungenen Start dieses Projekts. Der Bürgermeister sagte dem ASB weiterhin seine aktive Unterstützung zu.

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