Das bewegt die engagierte Stadt

17. Juni: dafür! – Tag der offenen Gesellschaft

„Dagegen sein ist gerade groß in Mode. Wir aber sind dafür, für die Demokratie, für ein pluralistisches, europäisches Deutschland, für die offene Gesellschaft. Denn all das ist gar keine Selbstverständlichkeit. Die offene Gesellschaft gibt es nur dann, wenn genug Menschen für sie eintreten!“

Mit diesem Aufruf hat die Initiative „Offene Gesellschaft & Diakonie Deutschland“ für die Idee, am 17. Juni 2017 überall in Deutschland geworben: Tische und Stühle raus, schön eindecken! Kochen, so gut man es kann, es so gastlich gestalten, wie es nur geht! Kein Jammern! Uns zum Leben und Denken und Handeln verabreden! Zusammen schaffen wir eine gemeinschaftliche und gastfreundliche Atmosphäre.

stendalDie Engagierte Stadt Stendal und ihre Engagierten sind, gemeinsam mit der Kaschade Stiftung und der Hansestadt Stendal, unter der Schirmherrschaft des Oberbürgermeister Klaus Schmotz, diesem Aufruf gefolgt und die Bürger*innen, Vereine und Nachbarschaften der ganzen Stadt mit ihren Ortsteilen wurden ermuntert, sich an diesem Tag in Gemeinschaften zusammenzuschließen und an den gemeinsam gedeckten Tischen zu treffen.

Die Freiwilligen-Agentur Altmark e.V., hat mit einer eigenen Aktion am Samstag, den 17. Juni 2017 von 11:00 bis 16:00 Uhr in der „Kleinen Markthalle“ Tische und Stühle bereit gestellt und zum gemeinsamem „Tafeln“ eingeladen. Das Theater der Altmark steuerte kleine kulturelle Beiträge bei. Jeder der wollte, konnte eigene Köstlichkeiten mitbringen oder erfreute mit eigenen musikalischen Beiträgen die Gemeinschaft. Auch konnten sich die Gäste von den Fortschritten des Umbaus der „Kleinen Markthalle“ begeistern lassen.

Engagementkongress NRW

Save the date! Montag, 16. Oktober 2017, 9.30 – 16.00 Uhr, Stadthalle Bad Godesberg, Bonn: Bürgerschaftliches Engagement fördern – sozialen Zusammenhalt und Demokratie stärken.

Das vielfältige bürgerschaftliche Engagement vor Ort ist ein zentraler Bestandteil einer starken Zivilgesellschaft, fördert den sozialen Zusammenhalt und trägt zu einer lebendigen Demokratie bei. Der diesjährige Engagementkongress NRW nimmt diesen Zusammenhang in den Blick und widmet sich dem Schwerpunktthema „Bürgerschaftliches Engagement fördern – sozialen Zusammenhalt und Demokratie stärken“.

Mit dem Engagementkongress NRW hat das Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen (MFKJKS) in Kooperation mit dem „Kommunen-Netzwerk: engagiert in NRW“ eine Plattform für den landesweiten Erfahrungsaustausch zur lokalen Engagementförderung geschaffen. Im Fokus steht der Wissenstransfer aus der Praxis. Gemeinsam werden anhand von Impulsen,  konkreten Praxisbeispielen sowie im Rahmen von interaktiven Workshops die aktuellen Situationen der lokalen Engagementförderung in NRW diskutiert und Zukunftsstrategien entwickelt.

Zielgruppe des Kongresses sind Entscheidungsträger*innen und Expert*innen aus den Verwaltungen, politische Vertreter*innen, lokale Akteure der Engagementförderung, Multiplikator*innen, Wissenschaftler*innen und Interessierte. Dr. Ansgar Klein, Geschäftsführer Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement (BBE), wird einleitend einen Impulsvortrag zu Hintergründen, Rahmenbedingungen, Chancen und Herausforderungen des Zusammenspiels von Engagementförderung und Demokratiestärkung halten.

Bitte merken Sie sich den 16. Oktober 2017 schon jetzt vor. Weitere Informationen zur Veranstaltung erhalten Sie zeitnah auch auf dem Engagementportal der Landesregierung NRW: www.engagiert-in-nrw.de/engagementkongress_NRW.

Ein Zeichen offener Gesellschaft

Der bundesweite Aufruf am 17. Juni 2017 an alle Bürger des Landes lautete: Mit Tischen und Stühlen zusammenrücken und ein Zeichen der Gastfreundschaft und Liberalität für ein offenes Deutschland setzen. Der NeuStadtGarten, ein Kooperationsprojekt des Freiwilligenzentrums und der Stadt Neustadt a. d. Aisch, machte mit und lud zu einem gemeinsamen Frühstück ein.

Alt und Jung beisammen im NeuStadtGartenAb 10 Uhr war die lange Tafel im NeuStadtGarten reichhaltig gedeckt. Knapp 30 Gäste steuerten noch leckere Sachen dazu bei. So konnte nach Herzenslust „getafelt“ und geplaudert werden. Klein und Groß, Alt und Jung, mit Kinderwagen oder Rollstuhl rückten zu einem bunten Miteinander zusammen. Rund um den Feuerplatz wurden Geschichten vorgelesen sowie traditionelle und moderne Lieder gesungen. Ihre kreativ gestalteten Fußabdrücke hinterließen die Gäste im Quittenbaum.

„Was macht dich glücklich?“ wurde jeder Gast gefragt. Ihre Gedanken konnten sie anonym auf Karten beantworten. Darauf fanden sich Antworten wie das vorurteilsfreie Miteinander und ins Gespräch kommen in Offenheit, Gemeinschaft erleben, die Geselligkeit im Garten und die schönen Begegnungen im Grünen. In diesem gemeinsamen Frühstück bestätigt sich die Aktion und die Absicht der Initiative der „Offenen Gesellschaft“, ein Zeichen zu setzen für mehr Demokratie und für ein pluralistisches, europäisches und offenes Deutschland. Einigkeit und Recht und Freiheit – im NeuStadtGarten wurde dies spür- und erlebbar!

Den roten Faden weiterspinnen

Als sich Hans Werner Preuhsler zum Netzwerktreffen der Engagierten Stadt aufmacht, hat er nur eine vage Vorstellung, was ihn in Berlin erwartet. Eine konkretes Anliegen hat er jedoch in jedem Fall: Preuhsler möchte seine Vision vorantreiben: eine an den Genossenschaftsprinzipien angelehnte Trägerstruktur für das künftige ehrenamtliche Engagement im thüringischen Apolda, um die Stadt und das Umland noch lebenswerter zu machen. Der Gründungs- und Finanzierungsbegleiter der Thüringer Mikrofinanzagentur steckt viel Zeit in sein Ehrenamt. Was treibt Preuhsler an, neben Familie und Job Treffen zu organisieren, Berichte zu schreiben und selbst mit anzupacken? Zum einen die in gut 10 Jahren gewachsene Verbundenheit mit seiner Wahlheimat, die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten in Apolda und in der Region sowie insbesondere das Zusammensein mit anderen engagierten Menschen, die sich in ihrer Freizeit für das Gemeinwohl einbringen. Menschen, wie es sie in vielen Städten Deutschlands gibt, von denen 50 das Siegel „Engagierte Stadt“ tragen.

170427 ES-29Im April sind 120 dieser Menschen zum dritten Netzwerktreffen der Engagierten Stadt in Berlin zusammengekommen (Fotos hier). Er habe die Hoffnung, andere Engagierte kennenzulernen und sich austauschen zu können, sagt Preuhsler am Rande des Treffens in der Robert Bosch Stiftung, einem der Partner, die hinter dieser Initiative stehen.

„Oft fühlt man sich als Engagierter in seiner Region alleingelassen“, ergänzt ein anderer Teilnehmer. Beide Männer sind sich einig, dass die Engagierte Stadt dies verändert hat: Wer sich engagiert, weiß, dass es noch in vielen weiteren Städten Menschen gibt, die das ebenfalls tun.

170427 ES-Ferner1Das Programm Engagierte Stadt, das 2015 auf Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Kooperation mit der Bertelsmann Stiftung, der BMW Stiftung Herbert Quandt, der Generali Deutschland AG, der Herbert Quandt Stiftung, der Körber-Stiftung und der Robert Bosch Stiftung ins Leben gerufen wurde, setzt genau da an. Gegenseitige Hilfestellung, Vernetzung und Voneinander-Lernen seien zentrale Aspekte des Programms, betont die Parlamentarische Staatssekretärin Elke Ferner (SPD) in ihrer Rede beim Netzwerktreffen. „Das ist einzigartig!“

Kein Wunder also, dass sich das Bundesministerium mitsamt alten und neuen Partnern dazu entschlossen hat, das Programm um zwei weitere Jahre zu verlängern. Die Devise lautet: stabile und fruchtbare Zusammenarbeit durch dauerhafte Förderung, anstatt kurzlebiger Leuchtturmprojekte.

Bei der Veranstaltung sind die Plätze schnell gefüllt. Viele Teilnehmer nicken sich zu, man kennt sich, ist seit Anfang an dabei und freut sich Mitstreiter zu sehen. Unter den Engagierten sind Kindergärtner, Landschaftsarchitektinnen sowie Verwaltungsangestellte. Was sie eint, ist die Idee, dass die Gesellschaft ehrenamtliches Engagement benötigt.

170427 ES-16Was sie antreibt, beschreibt dann Gerald Hüther: „Wir haben kein Erklärungsproblem. Wir haben ein Umsetzungsproblem“, sagt der Neurobiologe zu Beginn – und erntet Zustimmung aus dem Publikum. Hans Werner Preuhsler sieht das ganz ähnlich, er drückt es nur anders aus: „Wir haben eigentlich viele Menschen, die loslegen und helfen möchten. Damit wir aber nicht immer nur über ehrenamtliches Engagement reden, benötigen wir vernetzte Ermöglichungsstrukturen mit einem offenen und niedrigschwelligen Zugang, der für potenzielle Mitmacher attraktiv ist, Raum für ein aktives selbstbestimmtes Engagement bietet und auch die Kommunikationswege des Internet nutzt.“

170427 ES-11Für alle im Raum steht fest: Der Erfolg einer Engagierten Stadt steht und fällt mit den Personen, die daran beteiligt sind. Immerhin zeigt der aktuelle Engagementbericht des Familienministeriums eine positive Tendenz auf. Es gibt wieder mehr Menschen, die sich für das Gemeinwohl einbringen wollen.

Menschen wie Hans Werner Preuhsler. Am Ende des Netzwerktreffens ist auch er zufrieden. Zwei anstrengende Tage liegen hinter ihm und trotzdem versprüht er immer noch dieselbe Energie wie zu Beginn, die Lust etwas zu bewegen. Für sich und die Menschen in Apolda, seiner Engagierten Stadt.

Hier können Sie sehen, was in Engagierten Städten wie Flensburg oder Stendal passiert: https://www.youtube.com/watch?v=npW3E8vo_vE

 

 

Erfahrungsbericht Rheinfelder Kulturnacht

Im Rahmen der Rheinfelder Kulturnacht haben wir mit einem gemeinsamen Angebot in unserem Netzwerk auf das vielfältige Engagement in unserer Stadt aufmerksam gemacht und dies sichtbar werden lassen. An drei zentralen Orten in unserer Stadt dem Spielplatz in der Schwedenstraße, dem Jugendhaus im Kulturpark Tutti Kiesi und dem Bürgertreff Gambrinus in der Innenstadt waren wir mit kreativen Aktionen vertreten. An jeder Station bekamen die Teilnehmenden ein Silkonarmband mit der Aufschrift „Engagierte Stadt Rheinfelden – Ich bin dabei“ in grün, rot und gelb. Wer an allen drei Stationen mitmachte hatte die Stadtfarben am Handgelenk.

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Erster Bocholter Marktplatz für Gute Geschäfte

Am Donnerstag, 11. Mai 2017, fand zum ersten Mal der „Bocholter Marktplatz für Gute Geschäfte“ in der Versammlungshalle der Firma Siemens statt. Über 70 Vereine, Institutionen und Unternehmen beteiligten sich am Projekt, dass in dieser Form erstmalig im Münsterland stattfand. Bis Ende des Abends wurden 64 gegenseitige Engagement-Vereinbarungen geschlossen. Bürgermeister und Schirmherr Peter Nebelo resümierte: „Der erste Bocholter Marktplatz war ein voller Erfolg.“

Bei der Marktplatz-Methode treffen Unternehmen und Vereine und Institutionen aufeinander. „Wir möchten, dass Sie miteinander ins Gespräch kommen“, so der Moderator André Wolf, zu Beginn des Abends. Ziel ist, dass beide Parteien (Vereine und Unternehmen) ein „gutes Geschäft“ machen. Es geht um Leistungen und Hilfestellungen, die auf Gegenseitigkeit beruhen. „Geld ist bei den Vereinbarungen aber tabu“, erklärt Rainer Howestädt, Ehrenamtskoordinator der Stadt Bocholt.

Verträge - Fotos: Amke Derksen
Foto: Amke Derksen

Erfunden wurde die Methode in den Niederlanden. Im Jahr 2006 wurde es von der Bertelsmann-Stiftung in Deutschland eingeführt. Seitdem haben in gut 150 Städten über 400 „Marktplätze“ stattgefunden. Erstmalig fand jetzt ein Marktplatz im Münsterland statt.

Nachdem der erste Bocholter Marktplatz mit einem lauten Gong vom Schirmherr Peter Nebelo eingeläutet wurde unterhielten sich die Vertreter der Vereine und Unternehmen und trafen Vereinbarungen. Die geschlossenen Vereinbarungen werden schriftlich von „Notaren“ festgehalten. So vereinbarten beispielsweise Peter Int-Veen von der TIS GmbH, Anbieter für Logistik-Software, und Andre Dahlhaus vom ASB Münsterland, dass der ASB ein Ersthelfertraining für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TIS GmbH durchführt. „Bei uns ist gerade ein Termin für ein Ersthelfertraining geplatzt, insofern passt die Vereinbarung jetzt super“, so Int-Veen. Im Gegenzug hilft die TIS GmbH bei der Aufrüstung des Einsatzleitwagens mit der GPS-Technik. Die Bocholter Bädergemeinschaft vereinbarte mit dem Verein Vamos Juntos eine Schuhputzaktion im Foyer des Bahia-Bades. Im Gegenzug stellt die Bädergemeinschaft eine Spendenbox im Bahia-Foyer auf. Außerdem dürfen die Bolivianer, die bald mithilfe des Vereins Vamos Juntos Bocholt besuchen, kostenlos das Bahia-Bad besuchen.

Nach rund einer Stunde Speeddating ertönte der Schlussgong. Zu diesem Zeitpunkt wurden weiter fleißig Vereinbarungen geschlossen. Im Ergebnis stehen 64 gegenseitige Engagement-Vereinbarungen, die 158 Sachleistungen und rund 1.127 Stunden Zeitleistungen enthalten. „Mit diesem Ergebnis haben wir nicht gerechnet. Unsere Erwartungen wurden übertroffen“, so Howestädt.Foto: Bruno Wansing

Verträge - Fotos: Bruno Wansing
Foto: Bruno Wansing

Die Firma HP Fundconsult aus Münster begleitete das Projekt beratend. Hugo Pettendrup von HP Fundconsult, der schon viele „Marktplätze“ in ganz Deutschland begleitet hat, resümierte: „Der Bocholter Marktplatz war einzigartig. Ich begleite die Organisatoren jetzt seit fast einem Jahr. Dabei bin ich in Bocholt auf innovative, offene und kreative Vereine gestoßen und auf der anderen Seite auf sehr engagierte Unternehmen. Dies, in Verbindung mit einer  gut funktionierenden und ernst gemeinten Engagement-Förderung der Stadtverwaltung, habe ich in dieser Form noch nicht erlebt. Dies heute war ein ganz besonderer Marktplatz.“

Abschließend bedankten sich  die Organisatoren des Abends Jutta Ehlting und Rainer Howestädt, bei der Firma Siemens, die ihre Veranstaltungshalle zur Verfügung stellte, bei den Partnern und den über 60 Helferinnen und Helfer, die mit ihrem Einsatz den Marktplatz erst möglich machten. Ausgerichtet wurde der 1. Bocholter Marktplatz von der Stadt Bocholt mit der städtischen Freiwilligen-Agentur in Kooperation mit der „Zukunftsland Regionale 2016 – Büro Velen“ und dem Programm „engagierteStadt Bocholt“ mit dem Träger Leben im Alter e.V. Unterstützt wurde der Marktplatz von der Industrie- und Handelskammer Nord-Westfalen und der Kreishandwerkerschaft Borken.

Bundeskanzlerin bei Ehrenamtsempfang in Heidenheim

Hoher Besuch im Congress Centrum: Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel kam 11. Mai nach Heidenheim, um dem Ehrenamt die Ehre zu geben.

Mehr als 1000 Ehrenamtliche waren zu der gemeinsamen Veranstaltung von Stadt und Landkreis Heidenheim gekommen, bei welcher vier Vertreter des Ehrenamts ihre Arbeit vorstellten und unter Moderation von Dr. Hendrik Rupp (Redaktionsleiter Heidenheimer Zeitung) mit der Kanzlerin, Landrat Thomas Reinhardt und Oberbürgermeister Bernhard Ilg ins Gespräch kamen. Die richtigen Argumente für die Reise der Bundeskanzlerin nach Heidenheim hatte der Bundestagsabgeordnete Roderich Kiesewetter gefunden – und diese Argumente, nämlich das ganz besondere ehrenamtliche Engagement ebenso wie der strukturierte Aufbau von Netzwerken im Kreis Heidenheim, seien offenbar überzeugend gewesen, so der Oberbürgermeister bei der Begrüßung der Gäste. Ilg zufolge gibt es Vereine und die Förderung des Bürgerengagements zwar überall in Baden-Württemberg, verwies aber gleichzeitig auf einen entscheidenden Unterschied: „Was wir in Heidenheim offensichtlich besser hinbekommen und auch früher angepackt haben als andere, ist der organisierte Aufbau von Strukturen und die Entfaltung von Partnerschaften und Netzwerken.“ Er belegte diese Aussage mit dem Hinweis auf das Integrationszentrum Heidenheim, in dem die Flüchtlingsbetreuung von allen zuständigen Stellen koordiniert stattfindet. Dieses Modell sei beispielgebend für ganz Deutschland.

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Besuch im Congress Centrum Heidenheim beim Ehrenamtstag
Fotograf: Oliver Vogel

Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich beeindruckt von der großen Zahl an Ehrenamtlichen, die ins Congress Centrum gekommen waren – und das, obwohl sie wisse, dass das Ehrenamt in Baden-Württemberg tief verankert sei. „Sie sind ein tolles Stück Deutschland“, wandte sich die Kanzlerin dankend an die Gäste. Das Ehrenamt sei ein Gewinn für die Gesellschaft.

Welche Bedeutung das Ehrenamt hat, wurde an diesem Nachmittag von allen Rednern vielfach betont. Was das Ehrenamt in der Praxis leistet und wo bisweilen der Schuh bei den Ehrenamtlichen drückt, schilderten Uli Steeger (Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbands Heidenheim), Dorothee Raspel (Koordinierungsstelle Bürgerschaftliches Engagement und Demografie „Ich für uns“ der Stadt Heidenheim),  Dr. Peter Wengefeld (Freundeskreis Asyl im Landkreis Heidenheim) und Dr. Volker Wiedenmann (Vorsitzender Heidenheimer Sportbund 1846 e.V.).

Uli Steeger hob hervor, dass die Feuerwehr im gesamten Landkreis Heidenheim zu 100 Prozent ehrenamtlich agiert – in insgesamt 40 Einsatzabteilungen versehen 1450 Frauen und Männer ihren Dienst, leisten Hilfe und sind darüber hinaus eine wichtige Säule der Dorfgemeinschaften. Hinzu kommen sieben Werkfeuerwehren mit 180 Angehörigen. Wie Steeger deutlich machte, sind die aktuellen Zahlen der ehrenamtlichen Einsatzkräfte noch in Ordnung, jedoch werde sich dies etwa aufgrund der demographischen Entwicklung ändern. Er plädierte dafür, die Wertschätzung für den ehrenamtlichen Feuerwehrdienst durch konkrete Maßnahmen zu erhöhen, wobei die Unterstützung der Politik benötigt werde. Als ein Beispiel nannte Steeger die Einführung von Punkten, die den Feuerwehrangehörigen für die Rente angerechnet werden.

Die „Caring Community“ Heidenheim wurde von Dorothee Raspel vorgestellt. Ziel sei eine fürsorgende Gemeinschaft mit lebendigen Nachbarschaften, in der jeder Mensch Verantwortung für andere übernimmt oder übernehmen kann. Wie das umgesetzt werden kann, hat die Koordinierungsstelle für Bürgerschaftliches Engagement und Demografie „Ich für uns“ der Stadt Heidenheim in Zusammenarbeit mit dem Partner Duale Hochschule in einem Konzept zusammengestellt – umgesetzt wird dieses Konzept von „Ich für uns“ und der Familienbildungsstätte in Heidenheim. Insbesondere werden hierbei neue Formen von Nachbarschaftshilfe implementiert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Besuch im Congress Centrum Heidenheim beim Ehrenamtstag
Fotograf: Oliver Vogel

In den Fokus genommen wurde zudem das Thema Flüchtlingshilfe. Dr. Peter Wengefeld schilderte die Situation im Landkreis Heidenheim vor rund zwei Jahren, als die Flüchtlingszahlen deutlich angestiegen waren. Wie Wengefeld deutlich machte, habe es den Freundeskreis Asyl Heidenheim schon zuvor gegeben, der Anstieg der Flüchtlingszahlen ab 2014 habe dann  zur Bildung zehn weiterer Freundeskreise im Landkreis geführt, die sich ab Mitte 2015 zu einem Netzwerk Asyl im Landkreis Heidenheim zusammengeschlossen haben. Insgesamt waren zwischenzeitlich rund 1000 Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe im Landkreis Heidenheim aktiv. Auch nach dem Rückgang der Zuweisungszahlen habe das ehrenamtliche Engagement enorme Bedeutung zur Unterstützung der Integration der Geflüchteten. Im von der Stadt erworbenen und unter Federführung des Landkreises betriebenen Integrationszentrum Heidenheim (IZH) würden hierbei ideale Voraussetzungen geschaffen, um den Flüchtlingen auf kurzen Wegen eine passgenaue Bearbeitung ihrer Anliegen zu ermöglichen, sowie deren Berufseinstieg durch spezifische Angebote zu erleichtern. Hinzu komme das Begegnungszentrum Migration und Ehrenamt (BZME) in der ehemaligen Waldkirche, in dem Raum für Begegnungen ermöglicht werde. Wengefeld schilderte aber nicht nur die Stützen, sondern auch die Hemmnisse in der Flüchtlingshilfe: Unter anderem seien dies Unterschiede im Status der Geflüchteten, die schleppende Familienzusammenführung und die mögliche Abschiebung von Geflüchteten in der Ausbildung.

Auf das Ehrenamt im Sport ging Dr. Volker Wiedenmann näher ein, der den Heidenheimer Sportbund 1846 e.V. vorstellte. Besonders in den Fokus rückte er die Schwierigkeiten bei der ehrenamtlichen Tätigkeit. So werde ein gemeinnütziger Verein rechtlich behandelt wie ein Wirtschaftsunternehmen – obwohl er gar keine Gewinne machen dürfen. Aufgrund der Behandlung der Vereine, als seien sie Wirtschaftsunternehmen, und wegen des Erlasses von neuen Bundesgesetzen haben sich die Verwaltungskosten des Heidenheimer Sportbunds allein von 2009 bis 2017 von ca. 60.000 Euro pro Jahr auf 160.000 Euro pro Jahr erhöht, betonte Wiedenmann. Es bedürfe dringend der Hilfe des Gesetzgebers, damit Ehrenamtliche nicht durch bürokratische Hürden daran gehindert würden sich für die Gesellschaft einzubringen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Besuch im Congress Centrum Heidenheim beim Ehrenamtstag
Fotograf: Oliver Vogel

In der Podiumsdiskussion zeigte die Bundeskanzlerin besonders an den Hürden, denen sich das Ehrenamt gegenübersieht, großes Interesse. Gleichzeitig machte sie aber auch deutlich, dass jede Form von Rechtssicherheit, beispielsweise bei der Unfallversicherung oder beim Kinder- und Jugendschutz, auch Regelungen mit sich bringe. Das richtige Maß zu finden sei hierbei schwierig. Auch auf den Wunsch nach mehr praktischer Wertschätzung für das Ehrenamt ging sie gezielt ein – für besonders wichtig hält sie regionale Anerkennungen, beispielsweise ermäßigte Kulturangebote, wie sie in vielen Kommunen bereits umgesetzt werden. Aber auch eine Berücksichtigung ehrenamtlicher Tätigkeit beim Studienantritt – etwa bei der Berechnung des Numerus Clausus – sieht die Bundeskanzlerin positiv. Wenn sie einen Wunsch frei hätte, würde sie von Seiten des Bundes wie bei den Mehrgenerationenhäusern eine Summe für Anlaufstellen für Ehrenamtliche in Städten mit mehr als 10.000 Einwohnern zur Verfügung gestellt werde.

Auch im Bereich Flüchtlingshilfe, insbesondere beim Thema Familienzusammenführung, zeigte die Kanzlerin große Anteilnahme. Sie wisse, dass dies auch für die Helfer oft eine Zerreißprobe sei. Sie bat gleichzeitig um Verständnis, dass nicht alles auf einmal geschehen könne. Abschließend rief die Kanzlerin die Ehrenamtlichen dazu auf, die Probleme und Hürden, denen sie sich stellen müssen, zu sammeln und zuzuschicken – das sei ein wichtiges Thema, so die Kanzlerin, die sich zuversichtlich zeigte, dass kleine Verbesserungen ermöglicht werden können.

Landrat Thomas Reinhardt dankte der Kanzlerin für ihr Kommen und überreichte ihr einen Korb mit Präsenten von Stadt und Landkreis. Zudem wandte er sich noch einmal an die über 1000 Gäste im Congress Centrum, die stellvertretend für alle Ehrenamtlichen im Landkreis Heidenheim am Ehrenamtsempfang teilnahmen: „Ohne Sie gäbe es keinen Schutz und keine Hilfe, kein Miteinander und kein Füreinander, ohne Sie wäre unsere Gesellschaft arm, ja armselig und trostlos. Dank Ihnen gibt es bei uns eine lebenswerte, aktive und solidarische Bürgergesellschaft.“

Ehrenamt hautnah erleben

titiseeBürgerschaftliches Engagement schafft Zusammenhalt, Lebensqualität und fördert das soziale Miteinander von Menschen. In Titisee-Neustadt engagieren sich bereits zahlreiche Menschen über nachbarschaftliche, sportliche, politische, kulturelle und soziale Aktivitäten.  Vom 01. bis 09. Juli 2017 findet nun die erste Woche des Ehrenamts in Titisee-Neustadt im Schwarzwaldwald statt.

Mit einem vielfältigen Programm können die Bürgerinnen und Bürger die vielfältigen ehrenamtlichen Möglichkeiten in ihrer Stadt hautnah erleben. Unter dem Motto „Wir Wälder sind engagiert“ möchte das Projektbündnis „Engagierte Stadt Titisee-Neustadt“  das Ehrenamt vor Ort stärken und neue Engagierte gewinnen.

Die Woche des Ehrenamts wird von 12 Bündnispartnern mit Unterstützung der lokalen Vereine organisiert.  Weitere Informationen zum Projektbündnis finden Sie auf unserer Homepage www.engagiertes-titisee-neustadt.de.

Vom Emsland lernen

Warum ist das Emsland so erfolgreich? Die Erklärung ist so einfach wie banal: Es liegt, und das zeigen viele Studien zur Entwicklung im ländlichen Raum, an den Menschen. Immer wieder gibt es einzelne Orte oder ganze Regionen, die gegen alle Prognosen des demografischen Wandels stabil sind. Und immer stößt man in diesen Gebieten auf tatkräftige Bürger, auf Unternehmer oder Bürgermeister, die etwas auf die Beine stellen, die andere mitzureißen und ein positives Wir-Gefühl zu erzeugen vermögen.

Im Emsland scheint dies besonders gut zu funktionieren. Der dortige Menschenschlag ist es gewohnt, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen, weil es früher gar nicht anders ging. Die Emsländer waren lange auf sich selbst gestellt und konnten kaum Hilfe von außen erwarten. In diesen harten Zeiten ist ein unerschütterlicher Glaube an die eigenen Fähigkeiten entstanden, der vor ein paar Jahren darin gipfelte, dass sich die Emsländer kurzerhand eine aus privaten und kommunalen Mitteln finanzierte eigene Autobahn gebaut haben. Mit diesem Selbstbild heben sich die Emsländer deutlich ab von anderen entlegenen Gebieten, die sich mitunter als Opfer eines Strukturwandels sehen und sich diesem kampflos ergeben.

Emsland
Darstellung des Berlin-Institut

Die Zivilgesellschaft, die anderswo immer wieder als wichtige Stütze der Gesellschaft angemahnt wird, ist im Emsland fest verankert. Sie bindet die Menschen zusammen, absorbiert auch viele Zugezogene und sorgt für ein Verantwortungsgefühl, das auch die Jungen anspricht, die ungewöhnlich ortsgebunden sind, ja sogar häufig nach Ausbildung oder Studium zurückkommen in ihre dörfliche Heimat.

Hier können Sie die lesenswerte Studie „Von Kirchtürmen und Netzwerken. Wie engagierte Bürger das Emsland voranbringen“  des Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung lesen.

Engagierte Bürger parken kostenlos

Flensburg hat als erste Engagierte Stadt in Deutschland überhaupt eine neue Form der Anerkennung für Bürgersinn durchgesetzt: Engagierte Bürger dürfen mit Ausnahmegenehmigung kostenlos parken. Andreas Geis, Programmleiter Demografischer Wandel in der Körber-Stiftung, sprach mit Initiatorin Svenja Mix, Leiterin der Koordinierungsstelle für Bürgerschaftliches Engagement der Stadt Flensburg.

Geis: Frau Mix, in Flensburg parken Engagierte kostenlos – was steckt hinter dieser Idee?

MixMix: Mit dem strategischen Ziel »Flensburg will dein Engagement – und macht es möglich« hat sich die kommunale Selbstverwaltung Engagementförderung auf die Fahnen geschrieben. Außerdem sind wir gemeinsam mit der SBV-Stiftung Helmut Schumann »Engagierte Stadt« und haben es uns unter dem Motto »engagiert in Flensburg« zur Aufgabe gemacht, gemeinsam mit Akteuren aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung Strukturen für das Ehrenamt zu verbessern. Und dann haben wir uns umgehört, was das Ehrenamt überhaupt braucht. Dabei haben wir festgestellt, dass es Ehrenamtlichen häufig gar nicht um die große Anerkennung in Form von Ehrungen usw. geht, sondern vielmehr um praktische Unterstützung, ihr Ehrenamt gut ausüben zu können – und kein Geld mitbringen zu müssen. Als besonders belastend hat sich das Parken erwiesen. Mit politischem Rückenwind von allen Ratsfraktionen haben wir dann losgelegt und geprüft, was machbar ist.

Geis: Engagementförderung und Parkraumbewirtschaftung gehen ja meist nicht über den gleichen Schreibtisch. Wie konnten Sie das umsetzen?

Mix: Weil Flensburg eine Anlaufstelle für Bürgerschaftliches Engagement in der Verwaltung hat, ist der Weg schon mal kürzer als von einer externen Stelle. Was wirklich toll war – alle Kolleg*innen haben die Idee äußerst positiv aufgenommen und jede betroffene Abteilung, besonders die Verkehrsbehörde, hat ihren Beitrag geleistet. Auf Basis der Überlegungen haben wir dann Richtlinien formuliert und abgestimmt, eine neue Gebühr eingeführt und gleichzeitig die Übernahme der Gebühr beschlossen. Das Ganze war kein Selbstläufer und hat von der ersten Idee bis zum politischen Beschluss ein Jahr gedauert. Wir sind sehr stolz, dass das alles geklappt hat und bereiten uns jetzt auf den Run auf die Ausnahmegenehmigungen vor.

Geis: Die Zukunft der Stadt im demografischen Wandel können tatsächlich einzelne Teile der Verwaltung nicht alleine gestalten. Ihre Idee steht auch für ein neues Verständnis von Zusammenarbeit. Haben Sie einen Tipp, wie man das gemeinsam weiter entwickeln kann?

Mix: Dass wir die großen Aufgaben nur gemeinsam wuppen können, wissen wir. Im Bereich Klimaschutz sind wir da auch mit dem Klimapakt schon ziemlich weit und haben ein Bündnis aus Verwaltung und Unternehmen, in das im nächsten Schritt die Zivilgesellschaft stärker einbezogen wird. Da ist aber auch das Ziel klar, wir wollen bis 2050 CO2-neutrale Region sein. Bei anderen großen Zukunftsthemen ist das Ziel vielleicht nicht so klar, weshalb es schwieriger ist, die verschiedenen Akteure an Bord zu kriegen. Wahrscheinlich wäre das der erste Schritt. So weit sind wir aber noch nicht. Wir sind jetzt erst mal dabei, Struktur und Transparenz in das zu bringen, was es schon gibt und machen die »Engagierte Stadt« in Flensburg weiter bekannt. Dafür haben wir eine Internetplattform eingerichtet, die der Information, Vernetzung und Gewinnung von Ehrenamtlichen und Interessierten dient. Die Seite www.engagiert-in-flensburg.de wird seit Start im Oktober 2016 bereits sehr gut angenommen.

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