Das bewegt die engagierte Stadt

»Die ‚Engagierte Stadt‘ ist ein Musterbeispiel für die neue Qualität der Zusammenarbeit in der Engagementförderung«

Ziel des Netzwerkprogramms »Engagierte Stadt« ist es, die Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement in 50 ausgewählten Städten und Gemeinden mit 10.000 bis 100.000 Einwohnern in ganz Deutschland zu verbessern – von Ribnitz-Damgarten an der Ostsee bis Kaufbeuren im Allgäu. Im Rahmen eines Politischen Mittags in Berlin sprach Karin Haist, Leiterin des Bereichs Gesellschaft der Körber-Stiftung, mit der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Katarina Barley – gleichzeitig Partnerin des Programms – über die »Engagierte Stadt«, über die Förderung von bürgerschaftlichem Engagement als sektorenübergreifendes Thema und die gemeinsame Verantwortung von Staat, Zivilgesellschaft und Unternehmen.

Karin Haist, Katarina Barley (v.l.) (Foto: Marc Darchinger)

Karin Haist: Seit wann und in welcher Weise beschäftigen Sie sich mit Engagementpolitik?

Katarina Barley: Bevor ich Bundestagsabgeordnete wurde, war ich ehrenamtlich auf der kommunalen Ebene politisch aktiv. Dabei zählt natürlich vor allem der Kontakt zu anderen Ehrenamtlichen und alle gemeinsam beschäftigt die Frage, wie freiwilliges Engagement besser unterstützt werden kann und wie das vor Ort organisiert werden kann. Mich beschäftigt dieses Thema also aus eigenen praktischen Erfahrungen seit Langem. Als Ministerin setze ich mich für die Belange der Engagierten, insbesondere für bessere Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement ein. Überwältigt hat mich die enorme Hilfsbereitschaft vieler Bürgerinnen und Bürgern, die sich für die vielen zu uns geflüchteten Menschen engagiert haben. In unserem Land ist eine lebendige Willkommens‐ und Bleibekultur entstanden. Das will ich weiter unterstützen.

Demografischer Wandel in Deutschland – Welche Rolle spielt das bürgerschaftliche Engagement?

Der demografische Wandel ist eine große Herausforderung für Politik, Verwaltung, Wirtschaft und jeden Einzelnen. Die Auswirkungen des demografischen Wandels auf bürgerschaftliches Engagement sind vielfältig. Immer mehr Ältere engagieren sich. Für das Engagementministerium heißt das, gerade das Engagement mit und für Ältere im Schwerpunkt weiter zu fördern. Das gilt besonders für den ländlichen Raum, in dem ich selbst lebe. Um die Herausforderungen des demografischen Wandels zu bewältigen, setzen wir auch auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit der Zivilgesellschaft. Ein Beispiel dafür ist die geplante Weiterentwicklung der Anfang 2016 veröffentlichten Engagementstrategie.

Was treibt Sie an, beim Programm »Engagierte Stadt« mit der Zivilgesellschaft zu kooperieren?

Das Programm »Engagierte Stadt« ist für mich mehr als nur ein Programm zur Stärkung lokaler Engagementstrukturen. Es geht auch um neue Akzente in der Engagementförderung. Den demografischen Wandel, zunehmenden Extremismus und soziale Ungerechtigkeit können die staatlichen Ebenen nicht allein bewältigen. Es geht hier um Fragen, die gesamtgesellschaftliche Antworten erfordern. Diese Antworten werden wir nur gemeinsam mit der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft finden können. Deshalb haben wir es uns bereits zu Beginn dieser Wahlperiode zur Aufgabe gemacht, die Zusammenarbeit mit unseren Partnern aus Zivilgesellschaft und Wirtschaft auf eine neue Basis zu stellen. Wir fördern Engagement gemeinsam im Dialog, auf Augenhöhe und im gegenseitigen Vertrauen. Die Engagierte Stadt ist für uns dabei ein Musterbeispiel für die neue Qualität der Zusammenarbeit in der Engagementförderung. Wir schätzen die Zusammenarbeit mit und das beeindruckende Engagement von unseren Förderpartnerinnen und Förderpartnern sehr.

Welche Beispiele aus dem gemeinsamen Programm »Engagierte Stadt« inspirieren Sie in Ihrer Arbeit?

Ich bin immer wieder beeindruckt von der Arbeit der Engagierten Städte vor Ort – ob Bürgerbus, der Aufbau sorgender Gemeinschaften, Deutschunterricht für Flüchtlingsmütter, Seniorenfeste, kostenloses Parken für Ehrenamtliche, Marktplatz für gute Geschäfte – diese Beispiele inspirieren und tragen die Idee der Engagierten Stadt in die Fläche.

Wofür engagieren Sie sich 2030, Frau Ministerin Barley?

Im Jahr 2030 gehöre ich zu der Generation Gold. Ich kann mir sehr gut vorstellen, mich dann besonders stark für die Jüngsten in unserer Gesellschaft zu engagieren, für Demokratiebildung und dafür, dass vor allem Mädchen an sich und ihre Chancen in unserer Gesellschaft glauben.

Das wesentliche Kennzeichen der Engagierten Städte: Die geförderten Engagementorganisationen bauen lokale Netzwerke auf; Akteure aus verschiedenen Bereichen entwickeln dann gemeinsam gute Rahmenbedingungen für Engagement. Erstmals stehen beim Programm »Engagierte Stadt« also nicht bestimmte Projekte oder Organisationsformen im Fokus, sondern lokale, sektorenübergreifende Kooperationen. Gleichzeitig praktizieren seit 2015 auch die Förderer der »Engagierten Stadt« neue Formen der Kooperation von Staat, Zivilgesellschaft und Unternehmen: Das Programm ist eine gemeinsame Initiative vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ), der Bertelsmann Stiftung, der BMW Foundation Herbert Quandt, des Generali Zukunftsfonds, der Herbert Quandt Stiftung, der Körber-Stiftung und der Robert Bosch Stiftung. In die zweite Phase des Programms ab 2018 steigen als Förderer neu ein die Bethe-Stiftung, die Breuninger-Stiftung und die Joachim Herz Stiftung.

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