Neuenhagen

Ralf Lauckner ist Leiter der ARCHE Neuenhagen

Drei Fragen an

Ralf Lauckner

Was wollen Sie in Ihrer Stadt verändern?

Wir wollen die Leute für ein lebendiges Gemeinwesen begeistern. Die Menschen in Neuenhagen sollen Freude am Mitgestalten und an gegenseitiger Unterstützung gewinnen. In Neuenhagen, wo Einfamilienhäuser mit Garten dominieren, leben die Menschen oft sehr vereinzelt hinter ihren „hohen Hecken“. Das wollen wir ändern!

Wer baut mit an Ihrer engagierten Stadt?

Natürlich bauen und tragen die Bürger selber eine engagierte Stadt! Um die nötigen Strukturen zu schaffen, gründen wir ein „Forum für Engagement“, bestehend aus 15-20 Vereinen und Initiativen, die einerseits ihr eigenes Freiwilligenmanagement „aufmöbeln“ wollen und andererseits durch gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit die Bevölkerung zu mehr ehrenamtlichem Engagement motivieren wollen.

Welche Unterstützung wünschen Sie sich?

Das Programm „Engagierte Stadt“ hat uns mit allen seinen fachlichen Anregungen bereits ein sehr großes Stück voran gebracht, herzlichen Dank schon einmal dafür! Jetzt hoffen wir auf eine optimale Zusammenarbeit mit den Akteuren und Entscheidern in Neuenhagen: Der Bürgermeister und die Gemeindeverwaltung, die politischen Gremien, die lokale Presse und die Wirtschaft. Da wir alle die selben Ziele teilen, sind wir sicher, dass alle „an einem Strang ziehen“ werden.
Bundesland: Brandenburg
Einwohnerinnen und Einwohner: 17.185
Bevölkerungsdichte: 876 Einwohner/km²
Bevölkerungsentwicklung bis 2030: + 7,0 %
Durchschnittsalter: 46,5
Verfügbares Einkommen: 16.314 €/Einwohner
Vereine: 99
Unternehmen: 8.742
Webpräsenz: www.neuenhagen-bei-berlin.de
ARCHE-Neuenhagen
Quellenangabe
Einwohnerinnen und Einwohner: Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Gebietsstand: 31.12.2014. Bevölkerungsdichte: Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamts, Gebietsstand: 31.12.2014. Bevölkerungsentwicklung bis 2030: Wegweiser Kommune (Bertelsmann Stiftung). Durchschnittsalter: Wegweiser Kommune (Bertelsmann Stiftung). Verfügbares Einkommen je Einwohner/in: Kreiszahlen der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Ausgabe 2012. Die Zahlen gelten jeweils für den Landkreis bzw. die kreisfreie Stadt. Anzahl der Vereine: Registerportal der Länder; in Einzelfällen Angaben seitens der Kommunen. Anzahl der Unternehmen: Unternehmensregister-System 95. Stand: 31.12.2012. Die Zahlen beziehen sich auf den jeweiligen Kreis bzw. die kreisfreie Stadt.

Wachsende Verantwortungsgemeinschaft in Neuenhagen

In Neuenhagen hat sich in den letzten Monaten einiges getan: Mittlerweile 3 Forumstreffen haben statt gefunden. Es waren drei politische Fraktionen vertreten sowie die Gemeindeverwaltung und VertreterInnen der wichtigsten Einrichtungen des Gemeinwesens (Haus der Senioren, Haus der Begegnung und des Lernens, Pflegedienst, etc.). Auf dem Programm stand unter anderem die Erstellung eines Plakats, auf dem zum ehrenamtlichen Engagement aufgerufen wird. Dieses Plakat soll der erste Schritt sein, das Forum für Engagement an öffentlichen Orten sichtbar zu machen. Wir waren sehr erfreut über die Kreativität, die die Versammlung entfaltete und haben den besten Entwurf grafisch umgesetzt.
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Es hat uns als Veranstalter sehr gut gefallen, dass die Forumsmitglieder auf dem Treffen bereit waren, mit uns gemeinsam sowohl auf der abstrakteren Ebene (z. B. Diskussionen um das Plakat: wie gewinnt man neue Ehrenamtliche und rückt Ehrenamt in den Fokus) sowie auf der ganz konkreten Ebene (z. B. Ehrenamtskarte, Steuerermäßigung für Therapiehunde, wer könnte das Haus der Senioren leiten) zu arbeiten. Generell ist zu merken, dass das Forum für Engagement mittlerweile wahrgenommen wird; viele Anfragen bergen aber auch den Wunsch/Erwartung, dass wir die Umsetzer bei der konkreten Problemlösung sind. Hier ist oft noch viel Aufklärungsarbeit notwendig, in der wir klar machen, dass wir Bedarfe aufnehmen, vermitteln und uns als Anlaufstelle und Plattform verstehen. Da die Mitarbeit an Projekten aber ein „Vehikel“ ist, um Menschen zu erreichen und „hinter den Hecken hervorzulocken“, zeigen wir uns momentan noch hilfsbereit, auch bei der praktischen Umsetzung mitzuwirken.

Ein Beispiel dafür ist die Initiative „Neuenhagen summt“, bei dem wir die Gemeinde Neuenhagen unterstützen. Ziel des Projektes (Initiatorin ist die Gemeindeverwaltung) ist es, die biologische Vielfalt in den Gärten und damit den Lebensraum der Bienen zu verbessern. Die Gemeinde, von der wir uns erhoffen, dass sie die Anlaufstelle nach Projektende weiter fördert, hat unsere Hilfe beim Erreichen der Bevölkerung angefragt. Am 1. Mai auf dem Maifest in der ARCHE-Neuenhagen gab es den Startschuss für das Projekt – es wurde auf vielfältigste Weise auf das Programm aufmerksam gemacht. Der Stand der „Engagierten Stadt“ bzw. des Forums für Engagement beispielsweise hielt viele Informationen zum Thema bereit. Dort konnte jeder Interessierte seine Ideen zum Gelingen des Vorhabens auf Blütenblätter, geordnet nach verschiedenen Handlungsfeldern, schreiben. Auf der Bühne begrüßte der Neuenhagener Bürgermeister, Herr Henze, die Initiative „Neuenhagen Summt“ und dankte dem „Forum für Engagement“ für die Mithilfe.

Blog02Zwei Wochen später lud die Gemeinde Neuenhagen und das Forum für Engagement zu einem Ideen-Picknick zu „Neuenhagen summt“ ein. Es kamen sehr viele Menschen. Diese Veranstaltung war in Bezug auf Bürgerengagement ein voller Erfolg und es wäre schön, wenn diese Begeisterungsfähigkeit auch auf andere Projekte übertragen werden könnte. Wir können uns über ein breites Presseecho zu dieser Initiative freuen.

Das dritte Forumstreffen Anfang Juli hat uns dann selber erstaunt: Es kamen viel mehr Menschen als beim zweiten Treffen und sie sind bis spät in den Abend geblieben, obwohl der Termin mitten in der Woche lag. Selbst nicht geladene VertreterInnen von kleinen Vereinen nahmen teil, so dass wir schnell noch weitere Stühle organisieren mussten. Offensichtlich hat sich herumgesprochen, das auf den Forumstreffen an Problemen im Ehrenamtsbereich gemeinsam gearbeitet wird und das möchte kein Akteur im Ehrenamtsbereich verpassen, denn jedem liegt etwas „auf dem Herzen“. Bei diesem Treffen gab der Familien unterstützender Dienst, der die ehrenamtliche stundenweise Entlastung pflegender Angehöriger behinderter Menschen koordiniert, sowie ein Vertreter der Sportvereine einen Input.

Wir haben vor, einzelne Teilnehmer noch zu den Gesprächsinhalten zu befragen, denn vermutlich dringen, wenn z.B. zwei Vereine im Einzelgespräch Synergie-Möglichkeiten entdecken, gar nicht alle Ergebnisse zu uns durch. Sicherlich spielt auch eine große Rolle, dass immer mehrere VertreterInnen der Gemeindeverwaltung anwesend sind, mit denen man sonst nicht so einfach ins Gespräch kommt. Die Funktion, die Akteure zu vernetzen scheint das Forum also zu erfüllen. Ein voller Erfolg!

Von Henrike Gremse, IB Berlin-Brandenburg gGmbH, Neuenhagen

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