Herzberg am Harz

Lena Schaumann ist Projektleiterin bei Zukunftswerkstatt Herzberg e.V.

Drei Fragen an

Lena Schaumann

Was wollen Sie in Ihrer Stadt verändern?

Wir wollen den demographischen Wandel so gestalten, dass Herzberg lebens- und liebenswert bleibt, die Bürgerinnen und Bürgergesellschaft solidarisch lebt und sich generationsübergreifend und interkulturell engagiert.

Wie können Bürgerinnen und Bürger sich in Ihrer Stadt einbringen?

Bürgerinnen und Bürger jeden Alters, jeden Geschlechts und jeder Herkunft können durch die aktive Mitwirkung in Aktionen und Projekten teilhaben. Sie können beim Aufbau und der Verstetigung eines tragfähigen Netzwerks mitwirken, mit dem sie gemeinsam den Wandel gestalten.

Was Sie uns ansonsten noch sagen wollen zu Ihrem Vorhaben ...

Wir freuen uns, Teil eines deutschlandweiten Programms zu sein. Mit Hilfe dieses Programms können wir auch 2017 sagen: "Willkommen bei uns in Herzberg ..."
Bundesland: Niedersachsen
Einwohnerinnen und Einwohner: 13.140
Bevölkerungsdichte: 183 Einwohner/km²
Bevölkerungsentwicklung bis 2030: - 18,4 %
Durchschnittsalter: 46,9
Verfügbares Einkommen: 18.164 €/Einwohner
Vereine: 188
Unternehmen: 2.975
Webpräsenz: www.herzberg.de
Zukunftswerkstatt Herzberg e.V.
Quellenangabe
Einwohnerinnen und Einwohner: Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Gebietsstand: 31.12.2014. Bevölkerungsdichte: Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamts, Gebietsstand: 31.12.2014. Bevölkerungsentwicklung bis 2030: Wegweiser Kommune (Bertelsmann Stiftung). Durchschnittsalter: Wegweiser Kommune (Bertelsmann Stiftung). Verfügbares Einkommen je Einwohner/in: Kreiszahlen der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Ausgabe 2012. Die Zahlen gelten jeweils für den Landkreis bzw. die kreisfreie Stadt. Anzahl der Vereine: Registerportal der Länder; in Einzelfällen Angaben seitens der Kommunen. Anzahl der Unternehmen: Unternehmensregister-System 95. Stand: 31.12.2012. Die Zahlen beziehen sich auf den jeweiligen Kreis bzw. die kreisfreie Stadt.

Solidarisches Handwerk

Die erste gemeinschaftsgetragene Schneiderei – eine Idee der Engagierten Stadt Herzberg wird Realität.

Vor einem Jahr verlegte die polnische Schneidermeisterin Dorota Maravic ihren Wohnort mit Mann und Sohn nach Herzberg. Mit ihrem serbischen Mann hatte sie 25 Jahre lang in Serbien eine Maßschneiderei geleitet. Dank des Programms der Engagierten Stadt Herzbergs, das für Neubürger viele Begegnungs- und Mitmachangebote bereitstellt, fand Dorota schnell Zugang zu den aktiven Gruppen der Engagierten Stadt. In einer Zukunftskonferenz, bei der es auch darum ging, wie man durch neue Formen solidarischen Wirtschaftens auch in einer Kleinstadt mit wenig finanziellem Spielraum qualitativ hochwertige und regional zugängliche Produkte erhalten kann, entwickelte sich die neuartige Idee einer gemeinschaftsgetragenen Schneiderei.

„Mit Doras Fachkompetenz haben wir in Herzberg einen Schatz bekommen. Es liegt nun an uns, ob dieser Schatz in der Versenkung verschwindet oder ob wir ihn bergen und Gutes bewirken lassen“, meint Lena Schaumann, die Prozessmanagerin der Engagierten Stadt Herzberg.

In einem Vorbereitungsteam wurde die Idee weiterentwickelt. Es wurde die Kommune Kaufungen aufgesucht um sich zu alternativen Wirtschaftsformen beraten zu lassen, aber auch die hiesige Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Region Göttingen wurde kontaktiert und ein Gründerseminar in Göttingen besucht. Am 18. November konnte nun das entwickelte Konzept einer interessierten Öffentlichkeit in den präsentiert werden:

solidarisches-handwerk-textilDorota macht sich mit einer Maßschneiderei in Herzberg selbstständig und wird durch eine Gruppe unterstützt, deren Mitglieder mit einem selbstgewählten Beitrag (Richtwert 150 Euro) ihre textile Handwerkskunst ein Jahr lang in Anspruch nehmen. Für Dorota wird damit das Gründerrisiko verringert, die Vorteile für die Gruppenmitglieder sind immens, wie schon bei der Gründerversammlung an Beispielen sichtbar wurde: Ein qualitativ hochwertiges, aber aus der Mode gekommenes Kleidungsstück wird nach eigenen Vorstellungen und mit fachkundiger Beratung zum bewunderten Modell auf der Hochzeitsfeier; eine Hose, die besonders gut passt, wird mit selbstgewählten Stoffen dupliziert; aus Stoffresten entsteht eine Patchworkweste als Unikat; eine Enkelin näht sich ihre ersten T-Shirts dank Dorotas Hilfe selbst. Dazu kommt der Austausch in der Gruppe über gutsortierte Stoffläden in der Region, über deutsche Webereien, die ökologisch unbedenkliche Stoffe anfertigen.

Ideengeber für diese Art des gemeinschaftlichen Wirtschaftens ist die Solidarische Landwirtschaft – SoLaWi, die inzwischen in über 100 Gemeinschaften in Deutschland praktiziert wird. Während es dabei um den Anbau und die Verteilung von Lebensmitteln geht, erfolgt hier die Übertragung auf Kleidung, die auch jeder Mensch benötigt. „Wir nehmen unsere Ausstattung mit schönen und gesunden Textilien selbst in die Hand – ähnlich wie die Versorgung mit gesunden, regional erzeugten Lebensmitteln durch solidarisch wirtschaftende Betriebe Realität geworden ist“, fasst die Mitinitiatorin Sigrid Nordhausen das Vorhaben zusammen.

Die Übertragung dieser Idee auf weitere Handwerksbereiche ist für die Gruppe gut vorstellbar, deshalb haben sie ihre Initiative SolHaWe Textil – Solidarisches Handwerk Textil – getauft, was Erweiterungen ermöglicht. Bei dem ersten Zusammentreffen wurden bereits 20 Vereinbarungen unterzeichnet. Weitere Interessenten sind herzlich willkommen. Wer mitmachen oder sich über dieses neuartige Wirtschaftsmodell informieren möchte, kann sich an Lena Schaumann, 05521-997451 (lenaschaumann@freenet.de) wenden.

Pflanz-Aktion der Zukunftswerkstatt Herzberg

Im Rahmen des Programms Engagierte Stadt haben Mitglieder der Zukunftswerkstatt mit Schülern der Europaklasse des Ernst-Moritz-Arndt Gymnasiums (EMAG), der Sprachlernklasse der Oberschule sowie mit Flüchtlingen und Kooperationspartnern am alten Forsthaus „Am Weinberg“ Apfelbäume gepflanzt. „Mit dieser Aktion wollen wir ein sichtbares und nachhaltiges Symbol für unsere engagierte Stadt setzen und zeigen, dass sich mit einem interkulturellen sowie generationsübergreifenden Miteinander die Zukunft gestalten lässt,“ so der Vorsitzende der Zukunftswerkstatt Wolfgang Drebing-Bachmann. Von Egon Stützer, dem Besitzer des Grundstücks, hatte Lehrer Christoph Böning-Spohr das Einverständnis zu der Pflanzaktion erhalten. „Das Grundstück war früher der Weinberg des Welfenschlosses, “  erklärte Christoph Böning-Spohr. Es sei eine ökologisch wertvolle Fläche mit alten Bäumen. Die Aktion begleiteten auch Dr. Sigrid Vogel, Koordinatorin des Projektes Karstwanderweg, und die Leiterin des EMAG, Brigitte Götz.

StreuobstWährend Mitglieder des Esperanto-Centro Herzberg sich am Baumpflanzen beteiligten, informierte Klaus König vom Landschaftspflegeverband Landkreis Göttingen e.V. über zukünftige Unterstützungsangebote. Der Verband werde nach der Landkreisfusion im kommenden Jahr unter anderen Initiativen unterstützen, die Streuobstwiesen betreuen. Im März 2016 werde der Verband zu einer entsprechenden Informationsveranstaltung einladen, blickte Klaus König voraus. In Dreier-Teams, bestehend aus Schülern, Baumpaten und Flüchtlingen, wurden 31 Bäume in die vorbereiteten Löcher gepflanzt. Hinzugefügt wurde jeweils ein Zettel mit einem Wunsch wie Liebe, Frieden oder Verständigung. Mit dem von Mitgliedern der Zukunftswerkstatt gepressten Saft aus Äpfeln der Region wurden die Arbeiten besiegelt und der Durst gestillt.

Foto und Bericht: Paul Beier, Harzkurier

Herzberger Apfelernteaktion

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Herzberger Bürgerinnen und Bürger haben am vergangenen Freitag gemeinschaftlich acht Apfelbäume der städtischen Obstallee an der Juesholzstraße abgeerntet. An dieser Aktion der Zukunftswerkstatt Herzberg e. V. beteiligten sich 24 Menschen im Alter von 5 bis 75 Jahren, unter ihnen 10 neue Mitbürger aus fünf verschiedenen Ländern: Brasilien, Polen, Serbien, Bulgarien und Albanien. Obwohl starker Regen einsetzte, konnten ca. 1.200 Kilogramm zum Transport nach Silkerode aufgeladen werden. In der Mosterei Malus dieser thüringischen Nachbargemeinde wird von den geernteten historischen Apfelsorten Kaiser-Wilhelm und Jakob Lebel ein schmackhafter Apfelsaft mit dem Namen „Refujuice“ – eine Abkürzung aus Refugee (Flüchtling) und Juice (Saft) –  hergestellt. Hiermit wird eine Idee des Mostereibesitzers Ingmar Dalchow umgesetzt. Je verkaufter Flasche kommen 20 Cent der Integration von Flüchtlingen zugute. Am Samstag, den 17. Oktober, wird beim nachmittäglichen Kulturfest auf dem Herzberger Marktplatz der Refujuice erstmalig ausgeschenkt. Die Herzberger Flüchtlingsband trägt bei diesem Fest mit ihrer Gypsie-Musik zur Unterhaltung bei.

 

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