Flensburg

 

Miriam Kohlsdorf ist Sozialmanagerin der SBV-Stiftung Helmut Schumann

Drei Fragen an

Miriam Kohlsdorf

Was wollen Sie in Ihrer Stadt verändern?

Ich würde nicht so sehr von Veränderung als vielmehr von Verstetigung sprechen. Wir wollen in den kommenden Jahren, gemeinsam mit unseren Partnern, nach Wegen suchen, Bürgerschaftliches Engagement nachhaltig und dauerhaft abzusichern. Die Bereitstellung notwendiger Ressourcen wird dabei sicher eine zentrale Rolle spielen. Wenn es dann gelingen würde, durch verlässliche Rahmenbedingungen neues Engagement zu generieren, wäre das ein sehr positiver Nebeneffekt.

Wer baut mit an Ihrer engagierten Stadt?

Im bisherigen Prozess hatten wir zweimal Gelegenheit in großer Runde zusammenzukommen. Neben städtischen Vertretern aus unterschiedlichen Abteilungen saßen soziale Träger, Vereinsvertreter und Bürgerinnen aus diversen kleineren Initiativen mit am Tisch. Bei zukünftigen Treffen würde ich mir ein ähnlich großes Engagement wünschen. Wenn Verwaltung, Vereine, Verbände, Initiativen, Kommunalpolitik und Wirtschaft sich am Programm engagierte Stadt beteiligen, kann für Flensburg viel Gutes entstehen.

Welche Unterstützung wünschen Sie sich?

Als Teilnehmer am Programm Engagierte Stadt wünsche ich mir einen intensiven Austausch und Praxistransfer mit den anderen Standorten. Dafür werden die am Programm beteiligten Förderpartner sicher sorgen.
Bundesland: Schleswig-Holstein
Einwohnerinnen und Einwohner: 83.971
Bevölkerungsdichte: 1.480 Einwohner/km²
Bevölkerungsentwicklung bis 2030: + 1,7 %
Durchschnittsalter: 43,2
Verfügbares Einkommen: 15.450 €/Einwohner
Vereine: 704
Unternehmen: 3.849
Webpräsenz: www.flensburg.de
SBV-Stiftung Helmut Schumann
Quellenangabe
Einwohnerinnen und Einwohner: Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamtes, Gebietsstand: 31.12.2014. Bevölkerungsdichte: Gemeindeverzeichnis des Statistischen Bundesamts, Gebietsstand: 31.12.2014. Bevölkerungsentwicklung bis 2030: Wegweiser Kommune (Bertelsmann Stiftung). Durchschnittsalter: Wegweiser Kommune (Bertelsmann Stiftung). Verfügbares Einkommen je Einwohner/in: Kreiszahlen der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder, Ausgabe 2012. Die Zahlen gelten jeweils für den Landkreis bzw. die kreisfreie Stadt. Anzahl der Vereine: Registerportal der Länder; in Einzelfällen Angaben seitens der Kommunen. Anzahl der Unternehmen: Unternehmensregister-System 95. Stand: 31.12.2012. Die Zahlen beziehen sich auf den jeweiligen Kreis bzw. die kreisfreie Stadt.

Engagierte Bürger parken kostenlos

Flensburg hat als erste Engagierte Stadt in Deutschland überhaupt eine neue Form der Anerkennung für Bürgersinn durchgesetzt: Engagierte Bürger dürfen mit Ausnahmegenehmigung kostenlos parken. Andreas Geis, Programmleiter Demografischer Wandel in der Körber-Stiftung, sprach mit Initiatorin Svenja Mix, Leiterin der Koordinierungsstelle für Bürgerschaftliches Engagement der Stadt Flensburg.

Geis: Frau Mix, in Flensburg parken Engagierte kostenlos – was steckt hinter dieser Idee?

MixMix: Mit dem strategischen Ziel »Flensburg will dein Engagement – und macht es möglich« hat sich die kommunale Selbstverwaltung Engagementförderung auf die Fahnen geschrieben. Außerdem sind wir gemeinsam mit der SBV-Stiftung Helmut Schumann »Engagierte Stadt« und haben es uns unter dem Motto »engagiert in Flensburg« zur Aufgabe gemacht, gemeinsam mit Akteuren aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung Strukturen für das Ehrenamt zu verbessern. Und dann haben wir uns umgehört, was das Ehrenamt überhaupt braucht. Dabei haben wir festgestellt, dass es Ehrenamtlichen häufig gar nicht um die große Anerkennung in Form von Ehrungen usw. geht, sondern vielmehr um praktische Unterstützung, ihr Ehrenamt gut ausüben zu können – und kein Geld mitbringen zu müssen. Als besonders belastend hat sich das Parken erwiesen. Mit politischem Rückenwind von allen Ratsfraktionen haben wir dann losgelegt und geprüft, was machbar ist.

Geis: Engagementförderung und Parkraumbewirtschaftung gehen ja meist nicht über den gleichen Schreibtisch. Wie konnten Sie das umsetzen?

Mix: Weil Flensburg eine Anlaufstelle für Bürgerschaftliches Engagement in der Verwaltung hat, ist der Weg schon mal kürzer als von einer externen Stelle. Was wirklich toll war – alle Kolleg*innen haben die Idee äußerst positiv aufgenommen und jede betroffene Abteilung, besonders die Verkehrsbehörde, hat ihren Beitrag geleistet. Auf Basis der Überlegungen haben wir dann Richtlinien formuliert und abgestimmt, eine neue Gebühr eingeführt und gleichzeitig die Übernahme der Gebühr beschlossen. Das Ganze war kein Selbstläufer und hat von der ersten Idee bis zum politischen Beschluss ein Jahr gedauert. Wir sind sehr stolz, dass das alles geklappt hat und bereiten uns jetzt auf den Run auf die Ausnahmegenehmigungen vor.

Geis: Die Zukunft der Stadt im demografischen Wandel können tatsächlich einzelne Teile der Verwaltung nicht alleine gestalten. Ihre Idee steht auch für ein neues Verständnis von Zusammenarbeit. Haben Sie einen Tipp, wie man das gemeinsam weiter entwickeln kann?

Mix: Dass wir die großen Aufgaben nur gemeinsam wuppen können, wissen wir. Im Bereich Klimaschutz sind wir da auch mit dem Klimapakt schon ziemlich weit und haben ein Bündnis aus Verwaltung und Unternehmen, in das im nächsten Schritt die Zivilgesellschaft stärker einbezogen wird. Da ist aber auch das Ziel klar, wir wollen bis 2050 CO2-neutrale Region sein. Bei anderen großen Zukunftsthemen ist das Ziel vielleicht nicht so klar, weshalb es schwieriger ist, die verschiedenen Akteure an Bord zu kriegen. Wahrscheinlich wäre das der erste Schritt. So weit sind wir aber noch nicht. Wir sind jetzt erst mal dabei, Struktur und Transparenz in das zu bringen, was es schon gibt und machen die »Engagierte Stadt« in Flensburg weiter bekannt. Dafür haben wir eine Internetplattform eingerichtet, die der Information, Vernetzung und Gewinnung von Ehrenamtlichen und Interessierten dient. Die Seite www.engagiert-in-flensburg.de wird seit Start im Oktober 2016 bereits sehr gut angenommen.

Tod im Brasseriehof – 1. Krimidinner der Engagierten Stadt in Flensburg

Das Team der Engagierten Stadt organisierte im September 2016 ihr allererstes Krimidinner. Die Veranstaltung war in die „Flensburg erleben“-Wochen eingebettet und wurde von der Stadt Flensburg gefördert. An diesem Abend begaben wir uns mit unserer bunten Vorstellungskraft zum Landsitz der Familie Toloff, wo der exzentrische Künstler Teodor Toloff seinen 70. Geburtstag feierte – für Flensburg ganz stilecht im Brasseriehof. Ein Abend voller Intrigen, Verrat, Lügen, Liebesaffären, Verschwörungen und MORD war die Folge! Der Brasseriehof bietet mit seinem historischen Ambiente einen wunderbaren Rahmen für die Begegnung von Menschen und Kulturen, Kunst und Handwerk, gute Küche sowie moderne Apartments mit Tradition. Dort finden unter anderem integrative Frauencafés, syrische Abende und inklusive Familiencafés statt. Mehr Informationen über den Brasseriehof finden Sie unter folgendem Link: http://www.brasseriehof.com/.

KrimidinnerDas Tolle und Besondere bei unserem Krimi-Dinner war, dass jeder der Anwesenden eine Rolle spielte und mitten im Geschehen dabei war. Die 13 Gäste bekamen ihre Rolle und das Skript vorab zugeschickt, um sich entsprechend darauf vorzubereiten und sich in den groben Ablauf einzulesen. Die Mitwirkenden kamen nicht nur alle ihrer Rolle entsprechend teilweise exzentrisch kostümiert, sie zeigten außerdem beeindruckenden Einsatz! Dadurch wurde der Abend zu einem einzigartigen Erlebnis voller Spannung. Auch das Essen – ein Drei-Gänge-Menü vom Feinsten – kam bei den Gästen hervorragend an. Zubereitet wurde das Essen von zwei versierten Hobbyköchen. Beide stehen der Engagierten Stadt in ihren Zielen nah, einer von beiden ist außerdem fester Teil unsers Flensburger Projektteams. Sinn und Zweck der Veranstaltung war nicht nur der Spaß am Ehrenamt, sondern auch das Erreichen neuer Zielgruppen, die so auf das Konzept der Engagierten Stadt aufmerksam wurden. Solch ein Krimidinner mit aktiver Eigenbeteiligung bietet eine abwechslungsreiche Alternative zu herkömmlichen Dinner-Abenden, die man normalerweise kennt. Am Ende wurden kleine Preise zum einen für das beste Outfit und für die beste schauspielerische Leistung vergeben. Aufgrund der hohen Nachfrage wurde am 07.10.2016 ein weiteres Krimidinner vom Team der Engagierten Stadt veranstaltet, das ebenfalls begeisterten Zuspruch fand. Wir bekamen im Anschluss sehr positives Feedback aller Mitwirkenden. Die Liste für weitere Nachfragen ist lang, daher wird es mit Sicherheit weitere Termine für spannende Krimidinner im Jahr 2017 geben. Dabei überlegen wir bereits, an welchen anderen Standorten wir aktiv werden könnten. Das hält so ein Krimidinner spannend und bietet die Möglichkeit für mehr Öffentlichkeit für andere Organisationen und Räume. Für Nachfragen und Ratschläge zur Organisation und Vorbereitung stehen wir als Team der Engagierten Stadt Flensburg sehr gerne zur Verfügung.

Erfolgreich abgeschaut: Barcampchen in Flensburg

Wie die meisten der anderen Engagierten Städte war auch ein Teil unseres Projektteams der Engagierten Stadt Flensburg dabei, als am 14. März im KörberForum das »Barcamp Engagierte Stadt« stattfand. Für uns alle war es das erste Barcamp überhaupt, aber bereits beim Beschriften der Papphocker waren wir sicher: „Das wird spannend“. Wer hätte gedacht, dass wir nur wenig später sogar eigene Themen in die Runde werfen würden! Der Austausch in den insgesamt 16 Sessions schließlich war durchaus rege, produktiv und regte uns und unsere Gesprächspartner immer wieder zum gemeinsamen Nachdenken an. Vom elevator pitch etwa, der tatsächlich in einem Fahrstuhl entwickelt wurde, profitieren wir hier in Flensburg außerdem bis heute, wenn wir das Programm Engagierte Stadt möglichst einfach und prägnant erklären wollen. Kurzum: Wir waren nicht nur von den vielen tollen Gesprächen und dem Tag in Hamburg begeistert, sondern gleichermaßen von der Methode Barcamp.

flensburg1Auch in Flensburg stand nun unser nächstes Netzwerktreffen an, bereits im Juli 2015 hatte es eine erste Auftaktveranstaltung gegeben. Unserem Team ging es mit der zweiten Veranstaltung zum einen darum, die Mitstreiter von damals wieder mit ins Boot zu holen, zum anderen wollten wir alle Interessierten darüber informieren, was seit damals in unserer „Engagierten Stadt“ schon geschehen ist. In einem der regelmäßigen Treffen unseres Projektteams kamen wir schließlich darauf: Warum nicht einmal selbst probieren, wovon wir so begeistert waren? Klar war allerdings: Wir würden dafür nicht einen ganzen Tag verplanen können – und wir waren keine Veranstaltungsprofis wie die Stiftung Bürgermut, die für uns im März das »Barcamp Engagierte Stadt« organisiert hatte. Deshalb war schnell die Idee geboren: Warum nicht alles etwas kleiner? Eine Veranstaltung am späten Nachmittag, eine geringere Anzahl Sessions (hier haben wir auf das Motto „Quantität ist nicht gleich Qualität“ vertraut) und ein insgesamt etwas kleinerer Veranstaltungsrahmen – unser „Barcampchen“ war geboren!

flensburg2Bewusst übernahmen wir dabei einige Elemente, die uns im März besonders gefallen hatten: Die Anmeldekarten zur Begrüßung etwa, auf der jede(r) drei Hashtags zu sich selbst schreiben und sich anhand dieser vorstellen konnte. Und natürlich die Fragerunde zu Beginn, in der die Anwesenden Themenvorschläge für die Sessions einbringen konnten – am Ende ja auch eines der zentralen Elemente, die die Methode Barcamp für uns ausmachte. Zusätzlich holten wir uns eine erfahrene Moderatorin ins Boot, die uns und unsere Gäste gekonnt und empathisch durch den Abend führte. Sie nahm selbst für einige Minuten in den einzelnen Sessions teil und fasste zum Abschluss der etwa vierstündigen Veranstaltung noch einmal alle Themen und Diskussionspunkte in einem Überblick zusammen. Das Feedback unserer Gäste war durchweg positiv (mit einigen wenigen Abstrichen, da beim Catering leider nicht ersichtlich war, ob – und was – es für die anwesenden Vegetarier gab. Hier konnten wir für die nächste Veranstaltung ein direktes Learning mitnehmen! J).

flensburg4Auch eine Dokumentation haben wir im Nachgang veröffentlicht: In dieser ist noch einmal zusammengefasst, was seit dem ersten Netzwerktreffen 2015 bereits geschehen ist und was wir noch vorhaben (diesen Teil haben wir unseren Gästen zu Beginn des „Barcampchens“ mit einem „Puzzleteil“ als Motiv für die einzelnen Bestandteile unserer Gesamtstrategie vorgetragen). Im Weiteren haben wir gesammelt, was in welchen Sessions zur Sprache kam und wo aus Sicht der Anwesenden aktuelle Bedarfe und – zumindest in Teilen – auch schon Möglichkeiten für deren Lösung liegen könnten. Die Dokumentation ist seit kurzem online gestellt und wurde in einem Newsletter der Anlaufstelle Bürgerschaftliches Engagement der Stadt Flensburg an einen großen Verteiler ehrenamtlich Engagierter und Interessierter verschickt.

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Für uns war unser „Barcampchen“ eine spannende Erfahrung und wir verbuchen die Veranstaltung als vollen Erfolg für die Engagierte Stadt Flensburg. Bei Fragen dazu können sich Interessierte natürlich jederzeit an uns wenden. Wir vermitteln auch gerne den Kontakt zu unserer tollen Moderatorin, die nun ja sogar schon „Barcampchen“-erfahren ist. Herzlichen Dank an dieser Stelle auch noch einmal an die Stiftung Bürgermut und die Körber Stiftung für die Inspiration in Sachen Veranstaltungsmethode!

Von Miriam Kohlsdorf, Selbsthilfe – Bauverein eG, Flensburg

Bürgerdialog zur Flüchtlingsintegration in Flensburg

Blog1Auf Initiative der Stadt Flensburg, der SBV-Stiftung Helmut Schumann und der IHK fand in der Bürgerhalle des Rathauses gestern (9. März) das erste Flensburger Dialogforum „Flüchtlinge – unsere neuen Nachbarn in Flensburg“ mit rund 170 Teilnehmern statt. Nach kurzen Grußworten und der Präsentation der Flüchtlingskoordinatorin der Stadt, Anna Köhler, diskutierten Ehrenamtliche vieler Vereine und Initiativen sowie Vertreter von Schulen, Hochschulen, Wirtschaft und Verwaltung Wege zur erfolgreichen gesellschaftlichen und beruflichen Integration. An über 20 Thementischen wurde lebhaft diskutiert. Asylbewerber selbst nahmen an der Veranstaltung teil und konnten als Betroffene ihre Sicht und ersten Erfahrungen einbringen. Dabei ging es um Aspekte wie Sprachförderung, Ausbildung, Beschäftigung und Wohnraum für die geflohenen Menschen. Auch über geeignete Freizeitangebote, den Zugang zu Sport- und Kulturaktivitäten für die Flüchtlinge wurde gesprochen. Das Spektrum der Themen reichte bis hin zu gesundheitlichen Fragen und der medizinischen Versorgung. Allgemein sahen die Beteiligten die Notwendigkeit, bei Fragen des Bleiberechts und Asyls mehr Transparenz zu schaffen.

Die Willkommenskultur an Schulen und in Betrieben, der Übergang von Schule in das Berufsleben und die Vermittlung von Flüchtlingen in Ausbildung und Beschäftigung war eines der ausführlich diskutierten Themen. Eine Kernfrage war über alle Thementische hinweg, wie sich haupt- und ehrenamtliche Kräfte, Institutionen und Initiativen in ihrem Engagement künftig am effektivsten organisieren und koordinieren lassen. Oberbürgermeister Simon Faber zog eine positive Zwischenbilanz der bisherigen Aktivitäten und betonte: „Das Forum leistet einen wertvollen Beitrag, das Zusammenspiel zwischen Ehrenamt und Hauptamt in Flensburg weiter zu verbessern. Gemeinsam braucht es einen langen Atem für eine gelingende Integration.“

Blog2Zum Thema Wohnen positionierte sich Raimund Dankowski. „Menschen mit Migrationshintergrund zählen seit jeher zu unseren Mitgliedern. Sie sind Teil unserer Nachbarschaften. Das kennen wir. Das klappt gut!“, betonte der Vorstandsvorsitzende der SBV eG. Besonders sei nun lediglich die Zahl der Menschen, die gekommen sind und bleiben wollen. „Dieses Bleiben wollen wir organisieren“, so Dankowski weiter. Der SBV habe daher in den vergangenen Monaten bereits zahlreiche Neubauprojekte angestoßen. „Das geht nicht von heute auf morgen, aber wir legen gerade noch `einen obendrauf`, damit genug bezahlbarer Wohnraum für alle Menschen zur Verfügung steht – nicht nur für Flüchtlinge.“ Angesichts der vielen engagierten Menschen, die er in dieser Veranstaltung kennengelernt hat, zeigte er sich überzeugt davon, dass Flensburg die anstehenden Herausforderungen durch die vielen Neubürger bewältigen werde.

Auf die Notwendigkeit des kontinuierlichen Dialoges aller Akteure wies IHK-Präsident Uwe Möser hin: „Wir müssen im Interesse der Betroffenen Netzwerke knüpfen, Synergien schaffen und gemeinsam beständig daran arbeiten, die Menschen in unsere Gesellschaft und Wirtschaft zu integrieren. Auf lange Sicht werden sich dann auch für den Arbeitsmarkt positive Effekte ergeben.“
Zum Abschluss zog der Moderator Carsten Roeder eine positive Bilanz dieser Auftaktveranstaltung und war begeistert von der konzentrierten Arbeit und konstruktiven Atmosphäre. Online ist eine umfangreiche Dokumentation zu finden, die Geschehnisse und Ergebnisse der Veranstaltung lebendig zusammenfasst und auch für alle Interessierten spannend ist, die selbst nicht anwesend waren. Eine Fortsetzung der Dialogreihe ist für den 16. November geplant.

 

Infofrühstück in Flensburg

BlogbeitragIn der „Engagierten Stadt“ kennen Bürgerinnen und Bürger, die sich engagieren wollen, die richtigen Anlaufstellen und wirken Unternehmen als Partner und Förderer von Engagement. Dies sind nur zwei der Visionen einer „Engagierten Stadt“, wie sie das gleichnamige Förderprogramm definiert. Darüber, wie so etwas konkret vor Ort aussehen kann, informierten sich rund 20 Studentinnen der Europa-Universität Flensburg im „KommRein“.

SBV-Sozialmanager Uwe Treichel hatte angehende Absolventinnen des Masterstudienganges „Prävention und Gesundheitsförderung“ zum Infofrühstück in den SBV-Stadtteiltreff  im Stadtnorden eingeladen. „Wir wollen hier eine Anlaufstelle sein, wo jeder einen Ort und andere Ressourcen für sein Engagement findet“, erklärte Treichel. Dozentin Annika Baum und die Teilnehmerinnen ihres Seminars „Partizipative Praxis der kommunalen Gesundheitsförderung“ zeigten sich positiv überrascht von den Zielsetzungen und Strategien der Sozialarbeit beim SBV. „Wir verstehen den Gesundheitsbegriff nicht nur medizinisch. Strukturen für Angebote an unterschiedliche Zielgruppen zu schaffen und die Identitätsbildung in einem Stadtteil zu fördern, sind aus unserer Sicht daher wichtige Voraussetzungen für kommunale Gesundheitsförderung“, so Baum.

Blogbeitrag2Mit Angeboten wie Erzählcafé und Schreibwerkstatt biete das „KommRein“ zum Beispiel Raum dafür, sich von bedrückenden Erinnerungen „freizuschreiben“, nahm Treichel auf ein regelmäßiges Angebot des Treffs Bezug. Auch die Idee, mit einem veganen Café Menschen, die dazu sonst vielleicht keinen Zugang haben, neue Ernährungsideen vorzustellen, könne gesundheitsfördernd wirken. „Beides sind Angebote, die Besucher eingebracht haben“, betont der SBV-Sozialmanager das Grundprinzip des „KommRein“. „Wir bieten hier keine fertigen Programme, sondern die Rahmenbedingungen dazu, eigene Ideen umzusetzen.“ Vielleicht führt ja auch dieses Frühstückstreffen von Studentinnen und SBV im „KommRein“ zu einem weiteren Angebot oder anderen Formen des gemeinsamen Engagements.

Flensburg fährt auf

In der „südlichsten Stadt Dänemarks“ ist es eine Wohnungsbaugenossenschaft, die das Engagement auf Vordermann bringen will, der SBV. Ganze 28 (!) Vertreter städtischer zivilgesellschaftlicher Einrichtungen hat die SBV heute kurzfristig mobilisiert, Quartiersmanager, Sozialarbeiter, ehrenamtliche Vereinsvorstände, Seniorenbeiräte, Beteiligungsbeauftragte. Ein Konzept fürs Netzwerken wollen sie partizipativ erarbeiten; die Verwaltung ist dabei, besetzt gerade eine halbe Stelle für Bürgerengagement. Enge Abstimmung in der Engagementszene wäre neu, aber nötig, heißt es. Denn Nachbarschaftshilfe nimmt ab und viele Gruppen bleiben engagementfern. Noch anzumerken: Leckere Erdbeeren gibt’s an der Förde!

von Karin Haist, Körber-Stiftung

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